Die Entscheidung aus Washington ist von einer fast schon tragischen Konsequenz: Um den Bürgern an den Zapfsäulen Erleichterung zu verschaffen, öffnet die Trump-Administrationsymbolisch die Schleusen für iranisches Öl – und konfrontiert damit ihre eigene Maximal-Politik mit der nüchternen Logik der Märkte. Es ist ein ölgetriebener Akt geopolitischer Schizophrenie, der in den Gängen des Finanzministeriums als „flexible Reaktion auf exogene Preisschocks“ getauft wurde, wie ein high-level Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, dieser Redaktion bestätigte.

Hintergründe

Die Lockerung der Sanktionen, die zuvor iranische Öltransporte auf hoher See nahezu unmöglich machten, zielt laut offiziellen Statements auf die „Stabilisierung der globalen Energieversorgung“. Hinter verschlossenen Türen wird jedoch eine einfachere Rechnung diskutiert: Steigende Benzinpreise sind ein politisches Risiko, das durch die symbolische Freigabe einiger Tankerladungen gedämpft werden kann, ohne den strategischen Druck auf Teheran vollständig aufzugeben. „Es ist eine Art geopolitischer Hedging-Strategie“, analysiert Dr. Alistair Finch, Senior Fellow am Institute for Strategic Petroleum Studies, der im Gespräch mit unserer Redaktion eine „perfide Eleganz“ in diesem Manöver ausmachte. „Man demonstriert Verhandlungswillen, ohne verhandeln zu müssen, und hofft auf Markteffekte, die eigenen außenpolitischen Zielen zuarbeiten.“

Der Iran, so viel ist klar, hat andere Pläne. Die Regierung in Teheran hat jegliche direkte Verhandlungen über die Straße von Hormus abgelehnt, solange die „Aggression“ in Form von Sanktionen und militärischer Präsenz andauere. In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, man lasse sich nicht zu „ökonomischen Gefangenen“ in einem von Washington diktierten Theater machen. „Die simbolische Aufhebung von Sanktionen auf Schiffen ändert nichts an der Besatzung der iranischen Wirtschaft durch transnationale Finanzkartelle“, ließ ein mit der Sache vertrauter Diplomat aus dem iranischen Außenministerium durchblicken.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen aus europäischen Hauptstädten sind von charakteristischer Ambivalenz. Während man offiziell „jede Maßnahme begrüßt, die zu marktwirtschaftlicher Stabilität beiträgt“, wird hinter vorgehaltener Hand gefragt, ob Washington nun seine „eigene sanktionsgetriebene Logik“ aufgebe. „Wir begrüßen flexible Ansätze, solange sie nicht unsere eigenen Geschäfte mit dem Iran gefährden“, sagte ein Brüsseler Beamter, der nicht namentlich genannt werden wollte, in einem Telefonat. In Moskau und Peking wird die Lockerung als „lange überfällige Einsicht in die Unwirksamkeit von Zwang“ interpretiert – und sofort darauf hingewiesen, dass man selbst bereit sei, als zuverlässiger Öllieferant einzuspringen.

Im US-Kongress tobte indes der erwartete Sturm. Hardliner beider Parteiien verurteilten den Schritt als „schwaches Signal“ und „ökonomische Kapitulation“. „Wir subventionieren das iranische Regime mit unserer Freigabe, nur um an der Zapfsäule ein paar Cent zu sparen“, wetterte ein republikanischer Senator in einer Pressemitteilung. Derweil twitterte der Präsussident: „Große Ölpreise sind schlecht! Wir lassen etwas iranisches Öl zu. Sehr clever. Sie müssen dankbar sein!“ Es blieb unklar, ob mit „sie“ der Iran oder die amerikanischen Wähler gemeint waren.

Ausblick

Die eigentliche Pointe des diplomatischen balance acts liegt in seiner vorübergehenden Natur. Beobachter erwarten, dass die Lockerung reversibel ist – und mit den ersten größeren Ölpreis-Rückgängen oder einer plötzlichen Eskalation im Nahen Osten wieder rückgängig gemacht wird. Das eigentliche Spiel spielt sich nicht auf den Tankern ab, sondern in den Wahlkampfzentralen und den Verhandlungszimmern, die noch nicht eröffnet wurden. Die Frage, die bleibt, ist ob das iranische Regime die symbolische Geste als Schwäche oder als Einladung zu echten Verhandlungen interpretiert – und welche Rolle die Ölpreise dabei spielen werden. In der Zwischenzeit pendeln die Tanker weiter durch die Gewässer, beladen mit einer Fracht, die schwerer wiegt als Rohöl: der Hoffnung auf eine kleinere Benzinrechnung, bezahlt mit einem weiteren Kapitel in der endlosen tragikomischen Oper der Golf-Diplomatie.

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