Die letzten Schneefälle des Winters legten nicht nur eine beeindruckende Deckschicht auf die Pisten der Alpen, sondern auch eine erschütternde Bilanz: Mit mindestens 132 Todesopfern in Europa – so die vorläufige, von Gates Of Memes bei den Lawinenwarndiensten nachgereichte Zahl – wurde der höchste Stand seit sechs Jahren verzeichnet. Italien, das traditionell stark betroffene Herz der alpinen Katastrophenstatistik, verzeichnete mit 52 Toten allein eine Zunahme um fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch die nackten Zahlen sagen weniger aus als die politische Leerstelle, die sie umgeben. Während die EU-Kommission in Brüssel ihre „Strategie für ein widerstandsfähigeres Europa“ (2023-2027) ankündigte, erstickte diese im institutionalisierten Schneckentempo der zwischenstaatlichen Koordinierung.

Hintergründe

„Es ist ein multipolares Versagen“, analysiert Professor Albrecht von Seckau, fiktiver Leiter des Instituts für Bergpolitik an der Universität Innsbruck, in einem exklusiven Gespräch. „Auf der einen Seite eine wintersporttouristische Lobby, deren Interessen an uneingeschränkter Zugänglichkeit jeden vernünftigen Sicherheitspakt unterminiert. Auf der anderen Seite nationalstaatliche Behörden, deren Zuständigkeitswirrwarr im Gebirge an die Bürokratie der Vor-März-Ära erinnert. Die EU besitzt hier de facto keine Kompetenz, aber alle Verantwortung.“ Laut einem Mitarbeiter des federführenden Generaldirektates für Klimaschutz (GD CLIMA), der anonym bleiben wollte, wurden „mindestens drei Initiativen für eine bindende alpine Sicherheitsrahmenrichtlinie“ an den Bedenken des Ausschusses der Regionen und des komplexen subsidies-Kontrollsystems scheitern gelassen. Die mangelhafte Finanzierung und Vernetzung der lokalen Lawinenwarndienste, so der Mitarbeiter weiter, sei „ein offenes Geheimnis, das in den Haushaltsverhandlungen stets der erste und letzte Posten ist, der gestrichen wird“.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Rom führte die Katastrophe zu einem Kabinettsstreit: Der juste etablierte Minister für Naturschutz und Tourismus, Marco Valli (fiktiv), beanspruchte in einer hitzigen Pressekonferenz „mehr europäische Solidarität und Finanzmittel“, während sein Kollege vom Inland, Alessandro Conti (fiktiv), umgehend konterte: „Die Verantwortung liegt bei den lokalen Bergführerverbänden und den Disziplinlosigkeit der Touristen selbst.“ In Bern und Wien gab man sich betont diplomatisch; eine gemeinsame Erklärung der Alpenkonvention-Gipfelstaaten beschränkte sich auf „tiefes Beileid“ und die „erneute Bekräftigung bestehender Kooperationsprotokolle“. In Brüssel suchte man derweil die Debatte auf die internationale Ebene zu lenken. „Die steigenden Zahlen in Europa stehen leider nicht isoliert“, betonte eine Sprecherin des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD). „Wir beobachten mit Sorge ähnliche Entwicklungen in den Kaskadenketten Nordamerikas und im Himalaya. Dies ist ein globales Phänomen des Klimawandels und des zunehmenden Abenteuertourismus, das einer globalen Antwort bedarf.“ Diese Antwort, so die unausgesprochene Botschaft, muss nicht in Brüssel beginnen.

Ausblick

Die kommende Saison verspricht eine weitere Zuspitzung. Wissenschaftler warnen vor einem „Protein-Nebel-Effekt“: Durch die früheren und intensiveren Schneefälle in Verbindung mit wärmeren Frühjahrstemperaturen steige die Instabilität der Schneedecke logarithmisch. Die politische Perspektive ist düsterer: Ohne einen bereichsübergreifenden „Alpischen Pakt“ zwischen Tourismus-, Umwelt- und Verkehrsministerien – auf nationaler wie europäischer Ebene – werde man sich mit halbjährlichen Trauerbekundungen und symbolischen Gedenkminuten im Parlament begnügen müssen. Die Tragödie des Winters 2023/24 wird damit, wie so oft in der europäischen Integrationsgeschichte, nicht zum Katalysator, sondern zur weiteren Manifestation eines strukturellen Reformstaus. Die Lawine ist hierbei nur das sichtbare, tödliche Symptom einer tieferen, politisch erstarrten Masse.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Uebertreibung und dient ausschliesslich der Unterhaltung.