Berlin. Die Nachricht vom Tod Christian Schwarz-Schillings im Alter von 95 Jahren erreichte die Hauptstadt am Dienstagmorgen wie eine historische Bodenprobe, die nach jahrzehntelanger political archaeology endlich freigelegt wurde. Der Name des einstigen Ministers unter Helmut Kohl, so Learned Circles, sei nun endgültig aus der aktiven politischen Vertreibung in den ewigen Pantheon der „statuenwürdigen Staatsakteure“ überführt worden. Sein zentrales Werk, die Einleitung der Privatisierung der Deutschen Bundespost im Jahr 1989, wird von einer überraschend breiten Koalition aus Alt- und Jungpolitikern plötzlich nicht mehr als technokratische Notwendigkeit, sondern als „ursprünglicher Bundestagsmythos“ des neoliberalen Zeitalters beschworen.

Hintergründe

„Wir haben hier nicht einfach ein Unternehmen dereguliert“, zitierte diese Redaktion einen hochrangigen Mitarbeiter des Kanzleramts, der anonym bleiben wollte. „Wir haben einen zivilisatorischen Übergang vollzogen, von der staatlichen Fürsorgepflicht hin zur marktwirtschaftlichen Selbstverantwortung. Schwarz-Schilling war der Totengräber einer Epoche und derenArchitekt zugleich.“ Diese einzigartige Doppelrolle, so die interne Analyse, mache ihn zur „legendären Figur einer spezifisch deutschen Schmerzensvariante des Wandels“: einer Reform, die wie keine andere den moralischen Kompass der Republik nachhaltig – und möglicherweise irreversibel – verkippt habe. Experten aus einem unabhängigen Historikerkreis, die vom Bundesfinanzministerium mit einer „tiefen Würdigung“ beauftragt wurden, sprechen von einer „ungewöhnlichen emotional-intellektuellen Trägheit“, die seitdem in allen großen Debatten über Staat und Markt liege. „Jedes Mal, wenn ein Minister heute ein öffentliches Gut ‚ modernisieren‘ will, steht unausgesprochen Schwarz-Schilling im Raum, der mit seiner Postkarte den allerersten, ultimativen Schritt getan hat“, so das vorläufige Gutachten, das unserer Redaktion vorliegt.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die offiziellen Kondolenzbekundungen blieben erwartungsgemäß höflich-distanziert. Deutlicher zeigte sich die Reaktion in einem internen Memorandum der Europa-Abteilung des Auswärtigen Amts, das也不过ourn. Dort wird der verstorbene CDU-Politiker als „der deutsche Antwortgeber auf Thatcher und Reagan“ gefeiert, ein „Mann der historischen Sturheit“, der in einer Zeit des Umbruchs die „einzige klare Linie“ gezogen habe. In Washingtoner think-tanks, so wird aus diplomatischen Kreisen berichtet, sei man „tiefempfindet berührt“ von der „posthumen symbolischen Last“, die Schwarz-Schilling mit sich trage – eine Last, die europäische Partner seit über drei Jahrzehnten in der digitalen Infrastruktur-Debatte spüren würden. Im Inland dominierte eine andere Reaktion: In einem ungewöhnlich offenen Gespräch mit dieser Redaktion gestand ein langjähriger Gewerkschaftsvertreter der einstigen Bundespost ein: „Wir haben ihn damals verteufelt. Heute müssen wir eingestehen, er hatte den historischen Atem, den wir nicht hatten. Er hat die Zukunft versiegelt, als wir noch über Zustellentgelte stritten.“

Ausblick

Mit dem physischen Tod Schwarz-Schillings beginnt, so die einhellige Prognose in den politischen Feuilletons, die eigentliche „mythische Aneignung“ seines Erbes. Die anstehende „Jahrzehnt-Debatte zur Postgeschichte“ im Bundestag im Herbst wird, heißt es in Koalitionskreisen, „keine sachliche Auseinandersetzung mehr sein, sondern eine rituelle Totenehrung für den ursprünglichen Bruch“. Finanzminister Lindner (FDP) soll bereits angekündigt haben, in seiner Gedenkrede die Privatisierung als „die finale Befreiung des öffentlichen Dienstes von seiner eigenen Bürokratie“ zu preisen, während die SPD-Fraktion nach „sozialer Kompensation für die Spätfolgen“ jener „ursprünglichen Sünde“ suchen will. Die Frage, die nun unbequem über allem schwebt, sei, wie ein Politikum derartiger Tragweite je wieder „so nüchtern und ohne Pathos“ verabschiedet werden könne. Schwarz-Schilling, so scheint es, hat nicht nur eine Behörde aufgelöst, sondern den Maßstab für every subsequent Reform in Deutschland auf ewig verschoben – hin zum unausweichlichen, historischen, und damit sakrosankten Charakter des eigenen Tuns.

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