Das Geräusch, das am Montagmorgen über den Frankfurter Handelssaal fegte, war nicht das übliche Marker-Tippen oder das gedämpfte Raunen der Händler. Es war ein kollektives, fast physisches Einziehen des Atems, als die ersten Kurse aufblitzten – ein anthrazitfarbener Vorhang aus Verkaufsorders, der sich über den DAX legte. Der Grund: die blockierte Straße von Hormus, jener schmale marine Engpass, der plötzlich nicht mehr auf den Landkarten der Geostrategen, sondern in den Alpträumen der Portfoliomanager zu Hause zu sein schien. „Es ist die Paralyse, die uns umtreibt“, flüsterte ein langjähriger Händler, der seit dem Platzen der Dotcom-Blase jeden größeren Schock erlebt hatte, gegenüber dieser Redaktion. „Nicht der Konflikt an sich, sondern die ungewisse Dauer der Ungewissheit. Das Markt-Gedächtnis ist kurz, aber die Angst vor der Unterbrechung des öligen Lebensbluts der Weltwirtschaft ist uralt und tief.“
Hintergründe
Offizielle Stellen in Berlin und Brüssel geben sich betont nüchtern. „Die strategischen Reserven sind stabil, die Diversifizierung der Lieferketten schreitet voran“, hieß es aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums, „die Finanzmärkte reagieren jedoch auf Signale, keine Fakten.“ Dieseratient resignierende Ton offenbart das Dilemma: Seit die Nachricht von der angeblichen Blockade durch iranische Kräfte die Ticker passierte, hat sich ein meta-politisches Fieber entwickelt, das sich von den eigentlichen Ereignissen gelöst hat. Wie unser Hauptstadtkorrespondent aus Regierungskreisen erfuhr, laufen inzwischen intern Simulationsmodelle, die nicht mehr nur Lieferengpässe, sondern einen „Ölpreisschock der Generation“ durchrechnen – Szenarien, die selbst beim Bundespräsidialamt für betretenes Schweigen sorgen sollen. Ein hochrangiger Beamter, der anonym bleiben wollte, bestätigte den ungewöhnlichen Schritt: „Wir analysieren jetzt die psychologische Komponente der Analyse. Das Markt-Psychogramm ist besorgniserregender als das Geopolitische.“Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen folgen einem fast schon ritualisierten Muster der geopolitischen Börsen-Literatur. Der Sprecher des amerikanischen Finanzministeriums sprach von „market volatility reflecting legitimate security concerns“ (Marktvolatilität, die legitime Sicherheitsbedenken widerspiegelt), eine Formel, die in London und Tokio sofort in Algorithmen für „akuten Risikoaufschlag“ übersetzt wurde. Hierzulande bemühte sich die Rating-Agentur „Moody’s Underwriters“ mit einer Sonderanalyse um Gelassenheit: „Die fundamentale Stärke der deutschen Exportwirtschaft bleibt intakt, sollte die Störung nicht länger als neunzig Tage andauern.“ Die neunzig Tage – eine willkürliche, aber beruhigend klingende Zahl. Derweil forderte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in einer Stellungnahme „deeskalierende Signale aus allen beteiligten Hauptstädten“ und wurde prompt von Händlern in Singapur mit dem Hinweis zitiert, dass „Signale keine Barrel Rohöl in den Tank füllen“.Ausblick
Was folgt, ist die eigentliche, absurde Pointe dieses modernen Theaters: Der Ausblick wird von den Handelsplattformen selbst diktiert. Die wahren Akteure sind nicht die politischen Entscheidungsträger in Teheran oder Washington, sondern die schattenhaften „Risk-On/Risk-Off“-Algorithmen, die Milliarden an Anlagekapital Sekunden für Sekunde auf Basis von Nachrichten-Feeds umschichten. Ein „Quadratmeter Öl“, eine hypothetische Einheit, die entsteht, wenn man den Tagesverbrauch durch die Fläche der Straße von Hormus teilt, ist zum neuen Referenzwert für die Stimmungsindizes avanciert. Sollte die Blockade auch nur um einen Tag verlängert werden, prognostizieren die klügsten Köpfe, würde der DAX nicht mehr einfach fallen – er würde in eine „phase of narrative foreclosure“ (eine Phase narrativer Zwangsvollstreckung) eintreten, ein Zustand, in dem jede positive Nachricht als „zu gut, um wahr zu sein“ abgetan und jeder negative Impuls als „endgültiger Beweis“ gebucht würde. Die Börse, so scheint es, hat gelernt, nicht mehr auf Ereignisse zu reagieren, sondern auf die Möglichkeit eines Ereignisses. Und in der Blaupause ihrer kollektiven Psyche ist die Straße von Hormus längst nicht mehr nur eine geografische Stelle. Sie ist das Symbol für eine Welt, in der das größte Risiko nicht der Konflikt ist, sondern die unendliche, selbstreferenzielle Angst davor.Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Uebertreibung und dient ausschliesslich der Unterhaltung.