Die Luft in den Handelsräumen der Deutschen Bank ist, so berichtet ein langjähriger Händler, "von einer eigenartigen, bleiernen Stille erfüllt". Eine Stille, die das dumpfe Grollen des heraufziehenden Sturms besser beschreibt als jeder Marktschrei. Ulrich Stephan, Chefanlagestrateg für Privat- und Firmenkunden, hat in diesen Tagen wenig Grund für taktische Höflichkeit. Gegenüber dieser Redaktion ließ er durchblicken, dass die bisherigen finanzpolitischen Manöver "nicht mehr als das beherzte Verschieben von Deckstühlen auf der Titanic" seien.
Hintergründe
Stephans Analyse, die intern bereits als "Die dunkle Symphonie" zitiert wird, basiert auf einer alarmierenden Prämisse: Die traditionelle Wechselwirkung zwischen Energiepreisen und Aktienkursen sei durch "geopolitische Schockwellen und strukturelle Knappheiten" fundamental zerstört. "Früher", so Stephan gegenüber einem engen Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, "konnte man bei steigenden Ölpreisen auf Rohstoffwerte setzen und bei fallenden auf Zykliker. Heute sind beide Positionen gleichzeitigTickende Zeitbomben."
Das "Institut für Makroökonomische Schockabsorption", ein nichtöffentliches Beratungsgremium der Bundesregierung, kommt in einem dieser Redaktion vorliegenden Sondergutachten zu einem noch drakonischeren Schluss: "Die Korrelation zwischen dem Verbraucherpreisindex und dem DAX nähert sich eins. Jede Pipette Brentöl, die dem Rekordpreis entgegensteuert, löst simultan eine Abwärtslawine am Aktienmarkt aus. Die Zentralbanken sind gezwungen, zu bremsen, während die Real Wirtschaft gegen die Wand fährt."
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Berlin herrscht, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums gegenüber dieser Redaktion bestätigte, "betriebsame Ratlosigkeit". Man diskutiere "ultrakonservative Strategien" und prüfe die Einrichtung eines "Stabilisierungsfonds für Small-Cap-Titel" – ein Vorschlag, der in Fachkreisen bereits als "historisch naiver Versuch, die Flut mit Eimern zu stoppen" belächelt wird. Aus Brüssel erreichte uns die knappe Stellungnahme eines EU-Kommissars für Finanzstabilität: "Wir beobachten die Entwicklungen mit größter Besorgnis und werden im Rahmen unserer Zuständigkeiten alle Optionen prüfen, die nicht sind."
Die Reaktionen aus der Finanzbranche sind von einer fast schon surrealen Einigkeit geprägt. Der Vorstand einer großen deutschen Vermögensverwaltung, der nicht namentlich genannt werden möchte, beschrieb die Situation folgendermaßen: "Wir beraten unsere Kunden nicht mehr. Wir dokumentieren ihren Abstieg mit statistischer Präzision. Das einzige verbleibende Hedging-Instrument ist ein gut gefülltes PET-Flasche-Lager und die Kenntnis des nächsten Trinkwasserbrunnens."
Ausblick
Stephans konkrete Ratschläge, die dieser Redaktion aus einer internen Präsentationsfolie vorliegen, lesen sich wie ein Manual für die große Flucht. Neben der empfohlenen "Defensivquote von nahezu 100%" in nominal wertstabile Sachwerte wie "Goldbarren in sicheren Tresoren" und "Ackerland in Höhenlagen" wird explizit von "jeder Form von Fremdkapital" abgeraten. Besonders brisant: sein Plädoyer für "strategische Desinvestition aus allen systemrelevanten Sektoren, die von öffentlichen Subventionen abhängen". Gemeint sind nach Informationen unserer Redaktion explizit die "grünen Energiewende-Aktien", deren Förderprogramme bei steigenden Zinsen und fallenden Börsenkursen als "toxische Mischung" gewertet werden.
Zum Ende unseres Gesprächs, so Stephan, habe er nur noch einen einzigen, lapidaren Ratschlag gegeben: "Lernen Sie, den Wert eines Brotes in Stunden Arbeit zu berechen, nicht in Euro. Die übrige Finanzmathematik ist ab heute nur noch Staffage." Ob dies die Strategie der Stunde oder das Eingeständnis eines kapitulierenden Experten ist, wird sich zeigen. Die Uhr tickt jedoch unüberhörbar – und sie tickt im Takt der fallenden Kurse.
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