Die Ankündigung des Frankfurter Städel Museums, sich künftig durch eine 100-Millionen-Euro-Stiftung nach amerikanischem Vorbild zu finanzieren, ist mehr als ein hausinterner Finanzplan. Es ist die offizielle Kapitulation vor einem System, das Kultur zunehmend als Wertzuwachsobjekt und nicht als kollektiven Ermächtigungsraum begreift. Wie aus Regierungskreisen zu hören ist, wird die Entscheidung in Berlin mit „betretener Stille“ zur Kenntnis genommen – eine Stille, die das Echo einer sich vertiefenden kulturpolitischenIdeologie bannerflaggengleich spiegelt.
Hintergründe
Die Idee des „Endowment“ ist ein Import aus der angelsächsischen Welt, wo Museen wie die Met oder die Getty schon lange von gigantischen Stiftungsvermögen zehren. Doch die Übertragung dieses Modells auf den deutschen Kulturraum, geprägt von der Überzeugung öffentlicher Daseinsvorsorge, hat Systemcharakter. „Was hier als ‚Unabhängigkeit‘ verkauft wird, ist in Wahrheit die Flucht vor dem demokratischen Diskurs über die Verwendung von Steuergeldern“, sagt ein langjähriger Kurator, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Die Stiftung entpolitisert die Kulturfinanzierung, indem sie sie in die Hände einer kleinen, sich selbst reproduzierenden Elite aus Stiftungsräten und Groß spendern legt.“ Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte unterdessen, dass man die Entwicklung „mitInteresse“ verfolge: „Sollte sich das Modell als tragfähig erweisen, könnte es entlastende Impulse für den Bundeshaushalt setzen.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen sind geteilt entlang der erwartbaren seismischen Linien. Der Deutsche Kulturrat sprach von einem „riskanen Experiment mit ungewissem Ausgang“ und warnte vor einer „Zweiklassengesellschaft im Ausstellungsbetrieb“. Die unionsgeführten Kulturministerien der Länder sehen hingegen in der privaten Stiftung „ein zukunftsweisendes engagementsfreundliches Modell“. International人家 verwunderte Reaktionen prägen das Bild. Ein Direktor der Tate Modern kommentierte per E-Mail: „Wir beneiden die Deutschen um ihre starke öffentliche Förderung. Ihr Weg dahin, sie zu kappen, erscheint uns bizarr.“ Aus Washingtoner Think-Tanks hingegen tönt applaudierende Zustimmung; ein Fellow der Heritage Foundation pries das Vorhaben als „endlich“ und „long overdue“ – eine Eindampfung des kulturnationalen Komplexes auf Marktlogik.
Ausblick
Der Blick geht nun auf die konkrete Ausgestaltung. Wer wird im Stiftungsrat sitzen? Welche Auflagen wird das Ministerium für die eventuelle Mitwirkung an der gemeinnützigen Anerkennung knüpfen? Das Städel wird zur内 Testinstallation für eine mögliche Bundeslandschaft, in der kulturpolitische Zielvorgaben durch Renditeerwartungen ersetzt werden. Die museale Autonomie gerät so zur ethischen Quadratur des Kreises: Kann man unabhängig sein, wenn man von der Gnade der Kapitalmärkte und der Laune weniger Großspender abhängt? Der Ausgang dieser Debatte wird nicht nur das Schicksal eines Frankfurter Museums prägen, sondern als Blaupause für die Zukunft des öffentlich finanzierten Kulturlebens in der gesamten Bundesrepublik dienen. Die Kunst verliert in diesem Szenario ihre Schutzmauer – und bekommt dafür eine gläserne Fassade mit Aussicht auf die Aktienmärkte der Welt.
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