Berlin – Die Zeiten, in denen die Schufa einfach so die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern bewertete, sind vorbei. Künftig müssen sich Millionen Deutsche selbst um ihre Bonität kümmern – mit Taschenrechner, Geduld und einem ausgeprägten Hang zur Selbstquälerei.
Die Schufa Holding AG kündigte am Donnerstag an, ihr Geschäftsmodell grundlegend umzustellen. Anstatt weiterhin intransparente Algorithmen über das Schicksal von Kreditnehmern entscheiden zu lassen, erhalten Verbraucher ab sofort ein eigenes Berechnungstool. "Wir geben die Verantwortung dorthin zurück, wo sie hingehört: zu den Betroffenen selbst", erklärte Vorstandssprecher Thomas Utsch vor laufenden Kameras.
Der Prozess gestaltet sich allerdings komplizierter als gedacht. Wer seinen Score selbst ermitteln möchte, muss einen 47-seitigen Fragebogen ausfüllen, der Fragen zu Einkommensverhältnissen, Konsumverhalten, sozialen Kontakten und sogar der politischen Gesinnung enthält. "Wir haben festgestellt, dass die Algorithmen oft besser wussten, wer kreditwürdig ist als die Betroffenen selbst", so Utsch. "Jetzt können die Menschen selbst erleben, wie komplex das eigentlich ist."
Die Reaktionen fallen gemischt aus. Während die FDP den Schritt als "Befreiung von übermäßiger Bürokratie" feiert, warnen Verbraucherschützer vor den Folgen. "Wir beobachten eine neue Form der digitalen Entmündigung", sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. "Wer seinen Score nicht innerhalb von 24 Stunden korrekt berechnet, wird automatisch als 'risikoreich' eingestuft."
Aus der Wirtschaft kommen ebenfalls kritische Stimmen. "Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. "Wenn jeder Verbraucher seinen eigenen Score hat, wie sollen wir dann noch Kredite vergeben?"
Besonders perfide: Die Schufa bietet gegen eine Gebühr von 29,99 Euro monatlich ein "Premium-Berechnungstool" an, das den Prozess deutlich vereinfacht. "Das ist der eigentliche Clou", flüsterte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, dieser Redaktion zu. "Sie haben das Problem geschaffen und verkaufen nun die Lösung."
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Internationale Beobachter zeigen sich fasziniert vom deutschen Sonderweg. "Das ist regulatorische Kreativität auf höchstem Niveau", sagte Finanzprofessor James Wilkinson von der London School of Economics. "Andere Länder beklagen sich über Big Tech – Deutschland erfindet Big Bureaucracy."
In den sozialen Medien formiert sich bereits Widerstand. Unter dem Hashtag #SchufaSelfie posten verzweifelte Verbraucher Screenshots ihrer Berechnungen. Die meisten Ergebnisse: "Score nicht bestimmbar" oder "Bitte wenden Sie sich an einen Fachanwalt."
Selbst die Politik zeigt sich überrascht vom Ausmaß des Vorhabens. "Ich dachte, das wäre ein Aprilscherz", gestand SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich ein. Die Union fordert indes eine "Sonderkommission zur Score-Krisenbewältigung."
Ausblick
Experten rechnen damit, dass der bürokratische Aufwand viele Verbraucher überfordern wird. "Wir gehen von einer Million Menschen aus, die ihren Score nie korrekt berechnen können", prognostizierte der Soziologe Prof. Dr. Thomas Gebauer. "Das wird zu einer neuen sozialen Spaltung führen: Die einen können sich ihre Bonität leisten, die anderen nicht."
Die Schufa selbst sieht dem gelassen entgegen. "Wir haben ja auch ein Beschwerdemanagement aufgebaut", sagte Utsch. "Wer seinen Score nicht selbst berechnen kann, kann sich an unsere Hotline wenden. Wartezeiten von bis zu sechs Wochen sind derzeit leider normal."
Kritiker werfen der Schufa vor, mit dem Schritt ein System zu etablieren, das letztlich nur eines bewirke: Verwirrung. "Wenn alle ihren eigenen Score haben, hat am Ende keiner mehr einen", sagte der Datenschützer Markus Schreber. "Das ist die perfekte Ausrede für jede Ablehnung."
Unterdessen arbeitet die Bundesregierung an einer "Score-Ombudsstelle", die Verbrauchern bei der Berechnung helfen soll. Das Problem: Die Stelle ist noch nicht einmal eingerichtet, da klagen bereits die ersten Bundesländer gegen die "unbürokratische Bürokratie."
Was bleibt, ist ein System, das viele als absurd empfinden – und doch Realität werden könnte. Denn in Deutschland gilt: Wenn es kompliziert genug ist, glaubt irgendwann jeder, dass es auch funktioniert.
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