STUTTGART. Es ist eine jener seltenen Wahlsonntage, die das gesamte politische Berlin in einen Zustand apokalyptischer Gelassenheit versetzt. Während in Baden-Württemberg über 7,7 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben, wird im Kanzleramt und in den Parteizentralen an der Spree nicht etwa agitiert, sondern kathartisch geschwiegen. „Die Aggregate sind im Standby-Modus“, beschreibt ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, die Stimmung in den Fluren des Bundes. „Man wartet auf das Signal aus dem Südwesten, ob man den Abstieg in die politische Mittelmäßigkeit oder den Fuß in die nächste Krise zeigen darf.“ Die Landtagswahl ist mehr als ein Stimmungstest; sie ist ein seismografisches Ereignis, dessen Erschütterungen bis in die Koalitionsverhandlungen der nächsten Legislaturperiode reichen könnten.

Hintergründe

Die Ausgangslage ist eine Meisterleistung politischer Paradoxie. Die CDU, im Bund in Umfragen erdrückt, hofft im Ländle auf ein polterndes Comeback. Ihr Spitzenkandidat, ein Mann, der seine politische Karriere wie eine disziplinierte Aufräumarbeit führt, setzt auf die katholische Stammtisch-Basis und die schwelende Unzufriedenheit mit der grün-roten Landesregierung. „Die Leute haben die Nase voll von Windrädern, die im Schnitt mehr Steuern fressen als Strom produzieren“, wird ein namentlich nicht genannter Bundestagsabgeordneter aus dem Süden zitiert. „Hier geht es um Heimat, Sicherheit und eine vernünftige Wirtschaftspolitik.“

Doch die Grünen, seit 2011 ununterbrochen regierend, verwalten ihren Machtanspruch mit der bedächtigen Ruhe eines Biologielehrers, der gerade den DNS-Strang einer seltenen Orchidee erklärt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der personifizierte Institutional Memory des Landes, ist weniger ein Politiker als eine natürliche Gegebenheit – wie der Schönbuch oder der Neckar. „Seine Popularität ist eine Konstante in der Gleichung der baden-württembergischen Seele“, analysiert ein Politologe einer kleinen Universität im Schwarzwald, der für seine Expertise in „Regional-Psychoanalyse“ bekannt ist. „Man wählt ihn nicht wegen seiner Politik, sondern wegen der Ruhe, die er ausstrahlt, während um ihn herum die Welt implodiert.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Brüssel beobachtet man mit der distanzierten Sorge eines Steuerprüfers eine innerdeutsche Angelegenheit, die jedoch den Fortschritt des europäischen Green Deal gefährden könnte. „Ein Rückschlag für die Grünen in ihrem Kernland wäre ein Rückschlag für die Glaubwürdigkeit des gesamten ökologischen Transformationsprojekts in Europa“, ließ ein Diplomat im Umfeld des EU-Kommissars für Klimaschutz übermitteln. In Washington D.C. hingegen verfolgt das State Department die Wahl mit klinischem Interesse: als Fallstudie für die Verwitterung von Koalitionen unter dem Druck globaler Krisen.

Die Reaktionen aus den eigenen Reihen sind von brutaler Direktheit. „Ein Sieg der Union hier wäre das erste große politische Beben seit der Hartz-IV-Reform“, prophezeit ein ehemaliger Bundesminister, der inzwischen als Lobbyist für mittelständische Industrien tätig ist und unter der Bedingung der Anonymität sprach. „Es würde die Ampel in Berlin sofort infrage stellen, egal wie sehr sie sich dann rhetorisch windet. Das wäre der Beginn vom Ende.“

Ausblick

Was folgt, ist ein Tanz auf dem politischen Vulkan. Sollte die Union tatsächlich triumphieren, wird der Jubel in Berlin-Mitte nur von kurzer Dauer sein. Die anschließende Regierungsbildung im Ländle – egal ob mit der FDP oder der AfD als unpredictable Variable – wird zu einem langwierigen, erbitterten Ringen werden, das die Energie des Bundes auszehrt. Ein grüner Ministerpräsident hingegen, so die herrschende Meinung in der Hauptstadt, würde zwar den Symbolwert retten, aber nicht die Substanz: Die innerkoalitionären Konflikte zwischen FDP und Grünen über Haushalt und Klimapakete würden sich, nun befeuert durch einen süddeutschen Machtverweis, mit neuer Härte entladen.

Am Ende mag die einzig sichere Erkenntnis sein, dass diese Wahl keine Sieger hervorbringt, sondern nur Überlebende. In einer Republik, deren politische Mitte sich aufzulösen droht wie ein Zuckerguss im Regen, ist Baden-Württemberg der erste große Stresstest. Wie unser Korrespondent exklusiv aus einer von Sorge gezeichneten Pressestelle erfuhr: „Man bereitet hier bereits die Erklärungen für beide Szenarien vor. Das ist der neue Journalismus der Macht: Nicht zu gewinnen, sondern das Verlieren zu inszenieren.“

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.