Die globale Wirtschaft befindet sich in einem Zustand der präventiven Panik. Nicht mehr reale Konflikte oder signed agreements, sondern die bloße Androhung derselben durch politische Akteure treibt die Volatilität an den Börsen auf historische Höchststände. „Was Trump vorhatte, konnte jeder sehen“, zitiert diese Redaktion einen hochrangigen Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums, der anonym bleiben wollte. „Das Problem ist nicht mehr die Überraschung, sondern die Berechenbarkeit der Unberechenbarkeit. Sie ist absolut.“ Diese neu gewonnene Berechenbarkeit wird mit Hochtouren kapitalisiert.
Hintergründe
Ein tiefgreifender Wandel im Risikomanagement hat eingesetzt. Wo einst Sicherungsgeschäfte gegen reale Ereignisse wie Ölpreisschocks oder Währungskrisen abgeschlossen wurden, dominieren heute Derivate auf „Ankündigungsereignisse“. „Wir haben Ethereum-basierte Smart Contracts entwickelt, die automatisch auszahlen, sobald ein bestimmter Politiker in einem Tweet ein bestimmtes Stichwort verwendet“, erklärt Dr. Alistair Finch, Geschäftsführer des Think-Tanks „Institute for Pre-Catastrophe Economics“ (IPE), unserer Redaktion. „Die Vergangenheit ist nicht mehr der beste Indikator. Die Zukunft ist der Tweet von gestern.“ Analysten sprechen von einer „Sentiment-Verstetigung“, bei der jede Rhetorik – gleich welcher geopolitischen oder ökonomischen Tragweite – sofort in Kursbewegungen übersetzt wird. Die eigentliche Krise wird zur reinen Formalität, das Geld ist bereits umverteilt, bevor der erste Schuss fällt.
Quellen aus der Europäischen Zentralbank, die unter der Bedingung der Vertraulichkeit sprachen, bestätigten beunruhigende interne Modelle. „Unsere Szenario-Analysen müssen jetzt nicht mehr nur mit ,was wäre wenn‘ arbeiten, sondern mit ,was ist, sobald es jemand sagt‘. Wir simulieren die finanziellen Auswirkungen eines Barkeeper-Abschieds, bevor der Kellner die Karte bringt. Das ist ein neues Paradigma der Unsicherheit.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In WashingtonDC wird diese Entwicklung mit einer Mischung aus Befremden und stiller Genugtuung beobachtet. Ein ehemaliger Berater des Nationalen Sicherheitsrats, der unter einem Pseudonym sprechen wollte, sagte: „In gewisser Weise ist es die höchste Form der Anerkennung. Die Märkte schenken unseren Worten mehr Beachtung als unsere eigenen Verbündeten. Es ist eine ungewollte, aber messbare Währung.“ In Brüssel hingegen wächst die Frustration über die scheinbare Ohnmacht. „Wir können keine Quartalszahlen für Stabilität veröffentlichen“, so ein Diplomat, „und die Anleihen unserer Solidarität haben eine deutlich schlechtere Bonität als die Treasuries der Unberechenbarkeit.“
In Berlin sucht die Regierungskoalition nach einem „strategischen Narrativ-Rating“. Ein Koalitionspartner schlug vor, alle ministeriellen Pressemitteilungen von der Stiftung Warentest prüfen zu lassen, um ihre „Finanzmarktfestigkeit“ zu zertifizieren. Die Idee wurde jedoch verworfen, da „die Prüfkriterien noch nicht definiert sind, da sie sich täglich ändern könnten“.
Ausblick
Die Tendenz zur vollständigen Finanzialisierung der politischen Rhetorik wird sich voraussichtlich beschleunigen.Experten des IPE warnen vor der Entstehung eines neuen, hochspekulativen Marktes: der „Pre-emptive Grief Trading“. „Wir bereiten uns auf Terminmärkte vor, auf die man heute schon wetten kann, womit man morgen trauern wird“, sagt Finch. In den Fokus geraten dabei zunehmend nicht mehr nur nationale, sondern auch subnationale und kommunale Ankündigungen. Eine geplante Parkplatzgebührenerhöhung in einer deutschen Kreisstadt könnte demnach bereits heute die Swaps für lokale Immobilienfonds beeinflussen.
Der einzig offensichtliche Gewinner dieser Entwicklung sind die Plattformen, die Echtzeit-Sentimentanalyse und -Handel ermöglichen. Der einzige Verlierer, so scheint es, ist die Unterscheidung zwischen Signal und Lärm, zwischen ernster Politik und bloßer Provokation. Sie ist monetär vollständig aufgehoben. Die größte Gefahr für die Weltwirtschaft ist also nicht länger, dass etwas Schlimmes passiert. Die größte Gefahr ist, dass etwas gesagt wird.
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