In einer geheimen Nachtansprache, die landesweit übertragen wurde, hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán die Regierung in Kiew der Sabotage an einer zentralen Gasversorgungsleitung beschuldigt. „Die Faktenlage ist erdrückend“, erklärte Orbán mit der ihm eigenen Mischung aus Pathos und Unnachgiebigkeit vor einer Kulisse aus schummrigem Holz und ungarischen Flaggen. „Wer sonst als die ukrainischen Dienste hätte ein Interesse daran, die Lebensader unseres Landes zu unterbrechen?“ Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Vorfall in Serbien, wo an der Leitung, die russisches Gas über Ungarn nach Westeuropa transportiert, mehrere Rucksäcke mit Sprengstoff gefunden worden sein sollen.

Hintergründe

Die Pipeline, die als arterielle Hauptschlagader der ungarischen Energieversorgung gilt, war bisher als technisches Wunderwerk gepriesen worden, das selbst den kalten Wintern der Geopolitik trotzen könne. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist sie jedoch zum neuralgischen Punkt in einem schwelenden Konflikt zwischen Budapest und Brüssel geworden. Während die EU ein Embargo auf russisches Gas diskutiert, pocht Orbán auf vertragliche Rechte und wirft Brüssel vor, Ungarn als „Geisel“ einer ideologisierten Energiepolitik zu missbrauchen.

Wie unsere Korrespondenten aus Regierungskreisen in Budapest erfuhren, soll ein hochrangiger Beamter des ungarischen Energieministeriums bereits am Dienstag „ungewöhnliche Aktivitäten“ entlang der serbischen Trasse gemeldet haben. „Die Sicherheitsvorkehrungen waren zunächst als übertrieben abgetan worden“, so der anonyme Mitarbeiter, „doch nun zeigt sich, dass die Sorge berechtigt war.“ Serbische Behörden haben die Ermittlungen übernommen, doch Experten warnen bereits vor einer „Explosivierung“ der osteuropäischen Energiearchitektur.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Während Orbáns regimetreue Medien die Entdeckung als „klaren Beweis für ukrainische Terrorakte“ feiern, halten Oppositionelle in Budapest dagegen. „Das timing ist zu perfekt“, sagte eine Sprecherin der linksliberalen Oppositionspartei, „gerade jetzt, da Orbáns Bruch mit der EU unausweichlich scheint. Das rie