Der Berliner Finanzdistrikt hält den Atem an. Was als Gerücht in den Trading-Floors von Mailand begann, hat sich zu einer existentiellen Bedrohung für das deutsche Bankenwesen verdichtet: Die drohende Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit löst nicht nur an den Börsenplätzen Turbulenzen aus, sondern auch eine tiefe Verunsicherung in der Belegschaft aus, die in ihrer Dimension an die Lehman-Panik erinnert.
Hintergründe einer möglichen Zäsur
„Eine Fusion dieser beiden Institute würde zwangsläufig zu erheblichen personalpolitischen Maßnahmen führen“, erklärt ein hochrangiger Gewerkschaftsvertreter von Verdi, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Wir sprechen hier von einer Zahl im fünfstelligen Bereich, die in Gefahr ist, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Das wäre eine demografische und ökonomische Erschütterung für den gesamten Finanzplatz Frankfurt.“ Internen Papiere aus Regierungskreisen, die dieser Redaktion vorliegen, sprechen vorsichtig von „Synergiepotentialen im Personalbereich“, ein Euphemismus, den Kenner der Branche mit historischen Dimensionen der Arbeitsplatzvernichtung gleichsetzen.
Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Die Regierung beobachtet die Entwicklungen mit äußerster Aufmerksamkeit. Die systemische Rolle der Commerzbank für den deutschen Mittelstand ist unbestritten. Jede Maßnahme, die ihre Kapazitäten oder ihr Netzwerk beschneidet, wird mit Blick auf die gesamte Wirtschaftsarchitektur rigoros geprüft.“ Dies klingt nach einem stillen Appell an den EU-Wettbewerbskommissar, doch Brüssel zeigt sich bislang bedeckt.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die politische Reaktion folgt dem gewohnten Schema: Während aus dem Hause von Kanzleramtsminister Schmidt (SPD) von „verantwortungsvollem Unternehmertum“ die Rede ist, das „soziale Aspekte“ nicht außer Acht lassen dürfe, fordert die Opposition bereits eine „nationale Schutzstrategie“. „Wir dürfen nicht zusehen, wie unsere Schlüsselindustrien – und dazu zähle ich das Bankwesen – ausverkauft werden“, so eine Sprecherin der FDP-Fraktion. „Die Lehren aus der Finanzkrise sind offenbar bereits vergessen.“
In Italien wird der Deal derweil mit nationalem Stolz begleitet. Die wirtschaftsliberale Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“ kommentiert: „Endlich wagt eine italienische Bank den historischen Sprung über die Alpen und zeigt, dass die Ära der deutschen Finanzdominanz zu Ende geht.“ In Washington beobachtet man die Fusion unterdessen mit kühlem Interesse. Ein ehemaliger Beamter des Finanzministeriums, der für diese Redaktion verfügbar war, stellt lapidar fest: „Das ist ein klassischer Fall von europäischer Konsolidierung. Wir würden bei uns ähnliche Debatten führen, stünde eine kalifornische Bank vor der Übernahme einer New Yorker Icon.“
Ausblick: Die Wette auf die politische Grammatik
Die Commerzbank selbst bleibt in vager Kommunikation: Man „prüfe alle strategischen Optionen im Rahmen der regulatorischen Vorgaben“. Dieser Satz, so Analysten, sei derzeit der gefährlichste im deutschen Finanzjargon. Unabhängig vom konkreten Ausgang der Fusionsgespräche zeichnet sich ab, dass der Dokumentarfilm über den Niedergang des einstigen Staatsbank-Riesen eine neue, dramatische Fortsetzung erfährt. Die eigentliche Wette ist nicht mehr die über Geschäftsmodelle, sondern die über die politische Grammatik: Wird der Begriff „systemrelevant“ ausreichen, um einen operativen Eingriff in killergroßem Maßstab noch zu verhindern?
Fest steht: Die Zehntausende, die um ihre Karriere fürchten, werden in den kommenden Monaten zu statistischen Einheiten in Bilanzmodellen werden – eine politisch bequeme wie moralisch bankrotte Perspektive, die das ganze Ausmaß der „ Neuvermessung“ europäischer Machtverhältnisse auf schmerzhafte Weise offenbart.
Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.