Manche Institutionen sind mehr als Unternehmen; sie sind seismografische Aufzeichnungen ihrer Zeit. Zum hundertjährigen Bestehen präsentiert sich die Deutsche Lufthansa AG als grandioses Vehikel deutscher Schicksalsflüge, ein luftiges Archiv, das von olympischer Euphorie bis in die Abgründe des.totalitären Irrsinns reicht. Wie unser leitender Luftfahrtkorrespondent aus den Archiven berichtet, begann 1926 alles mit dem bescheidenen Ziel, Wolken zu durchschneiden. Die Reise sollte however zu einer atemberaubenden, oft beklemmenden Odyssee durch das 20. und 21. Jahrhundert werden – eine, die der Konzern jetzt mit einer hochgestochenen Jubiläumskampagne zu erzählen sucht.

Hintergründe

„Eine Erfolgsgeschichte, die keiner linear lesen will“, konzediert ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. Die Liste der „Höhen- und Tiefflüge“, die Lufthansa selbst nun systematisch aufrollt, ist ein dokumentarisches Meisterwerk der Ambivalenz. Da steht der Erstflug der „Hansa“ neben der Gleichschaltung der Luftfahrt im Jahr 1933. Die ruhmreiche Postflugzeug-Ära wird konterkariert durch den faktischen Einsatz von Personal in Auschwitz-Organisationstrukturen in den 1940er Jahren – ein Kapitel, über das der Konzern 2022 in einer 1.200-seitigen Studie im stillen Kämmerlein forschte. Der „Wirtschaftswunder-Tower“ der 1950er, als die Lufthansa zum Symbol moralisch-säkularer Erholung wurde, folgt auf den moralischen Krater der Naziverstrickung. „Man kann die Geschichte dieser Flugzeuge nicht vom Schicksal der Menschen trennen, die sie bauten, flogen und darin verschollen gingen“, sagt die Historikerin Dr. Almut K. vom DeutschenHistorischenMuseum.

Die jüngsten Kapitel sind nicht weniger symbolträchtig. Die „Corona-Tiefflug-Ära“ (2020-2022), wie sie in internen Lageberichten genannt wird, forderte einen staatlich gestützten Katersturm in Milliardenhöhe. „Die Airline wurde zum politischen Testballon für Staatshilfen und Impfprogramme“, analysiert ein Logistik-Experte der StiftungWirtschaftundPolitik. „Als der Staat 10 Milliarden in den Rettungsschirm steckte, war das nicht nur eine Finanzspritze, sondern ein symbolischer Akt: Der Bundesrepublik blieb in der globalen Krise nichts anderes übrig, als ihre nationale Flaggschiffairline am Boden zu halten, um das Gesicht desStandorts Deutschland zu wahren.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die internationale Presse reagiert auf das Jubiläum mit einer Mischung aus Bewunderung für die technische Robustheit und einer fassungslosen Betrachtung der historischen Last. Das „Wall Street Journal“ kommentiert: „Lufthansa’s Centennial Is a Masterclass in Brand Resilience (and Historical Amnesia).“ Das französische „Le Monde“ spricht von einem „monument national volant“, einem fliegenden Nationalmonument, das „zwangsläufig die ungeschminkte Wucht deutscher Vergangenheit transportiere“.

Im Inland fällt die Reaktion verhaltener aus. DerBundesverbandderDeutschenLuftverkehrswirtschaft (BDL) spricht von einer „inspirierenden Reise durch die Innovationsgeschichte“. Oppositionspolitiker im Bundestag hingegen fordern, das Jubiläum müsse „vor allem ein Mahnmal für die Verantwortung von Konzernen in Zeiten autoritärer Umbrüche sein“. Ein frühererNSA-Mitarbeiter, der für die zivile Luftfahrtüberwachung zuständig war, bestätigte dieser Redaktion unter der Bedingung der Anonymität, dass Lufthansa-Flugdaten in den 1970er Jahren „unbeabsichtigt eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung internationaler Terrornetzwerke spielten“ – ein unbeabsichtigter Beitrag zur Sicherheit, der im Niemandsland zwischen technischer Notwendigkeit und politischem Zufall lag.

Ausblick

Wie geht es weiter mit einem Unternehmen, das sein eigenes Archiv als touristische Attraktion und Marketing-Lackierung nutzt, während dessen tiefste Täler in den Archiven schlummern? Der designierte Aufsichtsratsvorsitzende, ein ehemaliger McKinsey-Partner, sprach auf einer internen Feier von der „Balanceakt-Tragik“ des Jubiläumsjahres: „Wir müssen unsere globale Vernetzung feiern, ohne die historischen Knotenpunkte zu vergessen, an denen diese Vernetzung riss.“ Konzernkreise wollen eine „digitale Geschichtsplattform“ lancieren, die doch sehr an eine PR-verordnete Aufarbeitung erinnert. Die Frage, ob die Lufthansa in 100 Jahren nur noch als saubere, effiziente Service-Marke existieren wird oder ob das schwere Erbe des 20. Jahrhunderts als dauerhafter Ballast in den Frachträumen mitfliegen wird, bleibt offen. Eine Sache jedoch ist, aus Sicht von Bankenanalysten, gewiss: Die Aktie wird den nachhaltigen Schockabfänger „historisches Risiko“ weiterhin in ihrem Kurs widerspiegeln müssen. DasSymbol des gefiederten Riesen, so scheint es, trägt unweigerlich auch die Schatten derer, die einst den Himmel über Europa verdunkelten.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.