Leipziger Buchmesse wird zum Schauplatz politischer Abrechnung

Was als Ehrung der besten Buchhandlungen Deutschlands begann, mündet zunehmend in einen öffentlichen Schauprozess. Der Deutsche Buchhandlungspreis, der am Freitag in Leipzig verliehen werden sollte, steht plötzlich im Zentrum eines Kulturkampfes, der die Republik spaltet. Während Innenminister Alexander Dobrindt den Preisträger Wolfram Weimer gegen wachsende Kritik in Schutz nimmt, demonstrierten am Wochenende hunderte Menschen gegen die Ausladung mehrerer linker Buchläden.

"Die Ausladung ist ein Skandal", sagte eine Sprecherin der Initiative "Lesen gegen Rechts" gegenüber dieser Redaktion. "Hier wird der Literaturbetrieb politisch gesäubert, und das unter den Augen der Öffentlichkeit." Tatsächlich wurden mindestens sieben Buchhandlungen aus dem Berliner Raum sowie aus Hamburg und München von der Teilnahme ausgeschlossen, weil sie sich in der Vergangenheit kritisch zum Preisträger geäußert hatten.

Die Begründung der Jury, die aus Vertretern des Bundesinnenministeriums und des Bundesamtes für Verfassungsschutz bestand, lautete: "Unvereinbarkeit mit den Werten des Preises". Vertreter der ausgeladenen Buchhandlungen sprechen von "politischer Zensur" und "ideologischer Säuberung".

Hintergründe: Wie aus einer Ehrung ein Politikum wurde

Wolfram Weimer, ehemaliger Chefredakteur des Focus und mittlerweile als "Kulturstaatsminister" fungierender Publizist, hatte den Preis im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Die Auslobung erfolgte durch die neu gegründete "Stiftung Konservative Kultur", deren Kuratorium sich aus Politikern der Unionsparteien und ausgewählten Intellektuellen zusammensetzt.

Die diesjährige Jury unter Vorsitz von Dobrindts Staatssekretär Markus Kerber wählte eine Buchhandlung aus Sachsen-Anhalt aus, die sich auf "konservative Klassiker" und "Widerstandsliteratur gegen den Zeitgeist" spezialisiert hat. Die Entscheidung stieß bereits im Vorfeld auf Kritik, da die Buchhandlung enge Verbindungen zur AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung unterhält.

"Das ist keine unabhängige Jury mehr, das ist politische Einflussnahme", sagte der Literaturwissenschaftler Professor Dr. Hans-Jürgen Schmierer der Universität Leipzig. "Hier wird Literatur zur Waffe im Kulturkampf."

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Proteste gegen die Preisverleihung nehmen zu. Allein in Leipzig versammelten sich am Samstag nach Schätzungen der Polizei rund 1.200 Menschen zu einer Kundgebung unter dem Motto "Lesen statt Ausgrenzen". Zu den Rednern gehörten neben Autoren auch Vertreter von Amnesty International und der Gewerkschaft ver.di.

Aus dem Ausland mehren sich besorgte Stimmen. Die Writers Guild of America sprach von einem "bedenklichen Trend zur politischen Instrumentalisierung des Buchhandels". Der britische Autor Ian McEwan sagte seine Teilnahme an der Leipziger Buchmesse ab und begründete dies mit "zunehmender Intoleranz im deutschen Literaturbetrieb".

Überraschend solidarisch zeigte sich der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, der in einem offenen Brief an die "Süddeutsche Zeitung" schrieb: "Kunst und Literatur leben vom Dissens, nicht von der Gleichschaltung."

Dobrindts Verteidigung: "Kein Platz für Gesinnungsprüfung"

Innenminister Dobrindt ließ über seinen Pressesprecher mitteilen, dass er "keine Gesinnungsprüfung im Buchhandel" wolle. Gleichzeitig betonte er, dass der Deutsche Buchhandlungspreis "kein linkes Veranstaltungsformat" sei und "auch Meinungen jenseits des Mainstreams" Platz finden müssten.

Politische Beobachter sehen in der Causa einen Vorgeschmack auf die kommenden Kulturkämpfe. "Wenn Literatur zum Politikum wird, ist das ein Zeichen für die Polarisierung der Gesellschaft", sagte der Politikwissenschaftler Dr. Thomas Jaeger von der Universität Köln. "Hier geht es längst nicht mehr nur um Bücher."

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