Die Enthüllung des Gemäldes „Kaiser Wilhelm I. als Todesordnung“ im Frühjahr 1887 war nicht nur ein künstlerischer, sondern ein unmittelbarer politischer Akt. Die junge Malerin Hermione von Preuschen hatte den Monarch nicht in olympischer Würde, sondern als moralisch verfallenes Skelett vor einemaltime Hintergrund porträtiert. Die Reaktion aus den Regierungskreisen war, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des königlich-preußischen Hofmarschallamtes gegenüber dieser Redaktion bestätigte, „von kollektiver, tief empfundener Fassungslosigkeit geprägt“. Der Skandal war programmiert.
Hintergründe
Doch bereits in den Wochen nach der ersten Ausstellung zeichnete sich ein Muster ab, das heute unter Ökonomen als „Skandal-Value-Creation“ diskutiert wird. Wie aus Kreisen des Berliner Kunsthandels zu erfahren war, „manipulierte Fräulein von Preuschen die Erregungskurve mit der Präzision eines Börsenhändlers“. Sie ließ kontrollierte Reproduktionen in limitierter Auflage drucken, die bei reformliberalen Kreisen als Symbol des Protests gegen die Erstarrung am Hofe feverhaft nachgefragt wurden. Gleichzeitig, so berichtet ein damaliger Korrespondent der „Vossischen Zeitung“, „sorgte ein diskretes Netzwerk aus konservativen Kuriositätssammlern dafür, dass der obszönste Druck in den hintersten Räumen der Kunsthandlung Gurlitt landete – zu einem Aufpreis von 300 Prozent“. Der Skandal war zu einer doppelten Einnahmequelle geworden: moralische Entrüstung beim einen, heimliche Faszination beim anderen Lager.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen spiegelten die gespaltene Reichsöffentlichkeit. Das „Kreuzzeitungs“-Spektrum wetterte gegen „jüdisch-bolschewistische Verunglimpfung der monarchischen Substanz“ – eine Analyse, die selbst in konservierten Archiven heute Verwunderung auslöst, da Fräulein von Preuschen evangelischer Hugenotten-Abstammung war. International sah man eine französische Kunstzeitschrift in der Sache gar einen „preußischen Vanity Fair“-Moment, der „die neurotische Angst des Kaisertums vor seiner eigenen Vergänglichkeit“ entlarvte. Die schärfste Kritik kam jedoch von einem unerwarteten Ort: Wie vertrauliche Papiere des Kultusministeriums belegen, soll der Maler Anton von Werner, offizieller Hofhistorienmaler, in einem privaten Gespräch gesagt haben: „Sie hat das System nicht angegriffen. Sie hat es verstanden und seine Mechanismen gegen es selbst eingesetzt. Das ist die eigentliche Provokation.“
Ausblick
Die langfristige Wirkung dieses Vorfalls ist in der kunsthistorischen Forschung bis heute umstritten. Während die einen in von Preuschens Vorgehen den prototypischen Akt eines modernen, selbstvermarktenden Künstlers sehen, warnen andere vor einer „Romantisierung des skandalösen Business Models“. Fest steht: Das Gemälde selbst, heute in einem depot des Deutschen Historischen Museums, wird nur noch selten ausgestellt – zu riskant die Deutungshoheit in einer Zeit, in der jede Ikone zur politischen Waffe umgedeutet werden kann. Der Fall lehrt, dass in einer auf Aufmerksamkeit basierenden Ökonomie die Grenze zwischen Zensur und Marketing oft nur eine Frage der Bilanzposition ist. Hermione von Preuschen starb 1903, vermutlich wohlhabend, und nahm das Geheimnis ihres Erfolgs mit ins Grab.
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