Man könnte es als den radikalsten Spin seit der Erfindung des politischen Marketings bezeichnen: Philipp Kubicki, der 74-jährige designierte Spitzenkandidat der FDP, hat beschlossen, dem monolithischen Ruf seiner Partei als letzte Bastion des patriarchalischen Denkens mit einer beispiellosen Gegenstrategie zu begegnen. Wie aus Parteikreisen verlautet, wird er sich im Mai nicht allein zur Wahl stellen, sondern in Begleitung einer ganzen "Riege prominenter Frauen", um die Ära der "alten weißen Männer" für beendet zu erklären. Was nach einem Akt der selbstlosen Erneuerung klingt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als ein hochkomplexes Manöver der Image-Rettung, das selbst eingefleischte Parteistrategen verblüfft.

Hintergründe

Die Genesis dieses Plans sei, so berichtet ein hochrangiger Mitarbeiter der FDP-Bundesgeschäftsstelle, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, in einer Reihe "existenzialistischer Krisensitzungen" im vergangenen Herbst zu suchen. "Wir standen vor der demografischen Unvermeidlichkeit", so der Insider. "Die Basis altert, und das öffentliche Bild ist erstarrt. Kubicki erkannte, dass eine Quotenregelung allein nicht ausreicht, um den Gentlemen's Club-Charakter zu überwinden. Es bedurfte eines epochalen Signals." Dieses Signal soll eine vollständige weibliche Führungsriege um ihn herum sein – eine Taskforce, die fortan die inhaltliche und strategische Richtung der Partei vorgeben soll. Intern wird das Vorhaben unter dem Codenamen "Projekt Amazone" geführt. Dokumente, die dieser Redaktion vorliegen, zeigen eine detaillierte "Quotenmatrix", die nicht nur Geschlecht, sondern auch Alter, Medienpräsenz und "netzwerkorientierte Durchschlagskraft" bewertet.

Besonders brisant: Kubicki selbst, ein Mann, der dem letzten Drittel der männlichen Lebensspanne entgegenblickt, würde damit faktisch die operative Macht an eine Generation delegieren, die seine eigenen Kinder sein könnte. "Es ist eine Meisterleistung der paradoxen Selbstaufgabe", analysiert Dr. Almut von Hessler, Politikwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität, die das Papier im Auftrag einer ungenannten Stiftung begutachtete. "Er transformiert sich vom Archetypen des Problems zur personifizierten Lösung. Das ist fast schon postmoderne Performance-Kunst."

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen aus dem politischen Berlin reichen von ungläubigem Kopfschütteln bis zu scharfer Polemik. Ein namenloser Strategieplaner der SPD-Fraktion kommentierte lapidar: "Herr Kubicki versucht, das Problem der mangelnden Diversität mit einer Art politischem Color Guard zu übertünchen – eine Guerilla-Aktion der Symbolik, die an Chuzpe grenzt." Aus den Reihen der Grünen war zu hören: "Es ist bemerkenswert, wie ein einzelner Mann die gesamte weibliche Elite Deutschlands in seinen Dienst stellen zu können glaubt, während er selbst den Stuhl des Partei-Obmanns hält. Das ist kein Wandel, das ist Kabarett."

Auch international sorgt das Vorhaben für Irritation. Ein Diplomat aus einer südeuropäischen Botschaft, der ebenfalls anonym bleiben wollte, charakterisierte den Vorgang gegenüber dieser Redaktion als "deutschen Sonderweg des biografischen Renewals". "In anderen Demokratien strebt man Generationenwechsel an", so der Beamte. "In Deutschland delegiert ein Patriarchat den Auftrag zur Selbstabschaffung an eine ausgewählte Priesterinnenriege. Es ist faszinierend und verstörend zugleich."

Ausblick

Ob das ambitionierte Manöver gelingen kann, bleibt höchst ungewiss. Bereits jetzt mehren sich Berichte über "graue Eminenzen" innerhalb der FDP, die Kubickis Plan als "kosmetischen Aktionismus" ablehnen und fürchten, die eigentliche Macht bliebe weiterhin in den Händen der alten Garde – nun lediglich versteckt hinter einem Schleier aus weiblicher Peer-Group. Zudem steht zu befürchten, dass die öffentliche Wahrnehmung nicht von der "alten weißen Männer"-Problematik ablenken, sondern diese im Gegenteil durch die extreme Aufmerksamkeit für Kubickis Person noch zementieren wird.

Sollte die Strategie