STUTTGART. Es ist ein kühler Herbstmorgen im Landtag, als Ministerpräsident Winfried Kretschmann (75) mit seinem Fahrrad durch die gläserne Lobby rollt. Die Kameras klicken. Es ist ein Ritual, eingespielt wie ein Uhrwerk. Nach 15 Jahren an der Spitze des Stuttgarter Kabinetts, der längsten Amtszeit eines Ministerpräsidenten in der Geschichte des Landes, lässt sich eine Bilanz ziehen. Doch die Frage, die in Berliner und Brüsseler Kreisen leise gestellt wird, lautet nicht, ob Baden-Württemberg ökologischer wurde – sondern ob es stilistisch nachhaltiger geworden ist. Das, so scheint es, ist die eigentliche Errungenschaft.
Hintergründe
Kretschmanns Strategie, so Analysten in Regierungskreisen, bestand nie in der radikalen Umgestaltung der Automobilindustrie, die das Herz des Landes schlagen lässt. Vielmehr verfolgte er einen Ansatz der „affektiven Dekarbonisierung“. „Er hat das Gefühl für Ökologie in die Alltagsrituale des Landes integriert“, erklärt ein langjähriger Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes, der anonym bleiben wollte. „Jeder Radweg, jede Komposttonne, jedes vegane Kantinen-Gericht wurde zu einem kleinen Akt des widerständigen Konsums. Das war sein eigentliches Projekt: die Verklärung des bürgerlichen Lebensstils zur politischen Haltung.“
Kritiker aus den eigenen Reihen, wie sie dieser Redaktion aus Parteikreisen schildern, sprechen hingegen von einer „Politik der faktischen Nicht-Intervention“. Die großen Transformationsprojekte – von der Wasserstoff-Industrie bis zum Ausbau der Windkraft – liefen schleppender als im Bundesdurchschnitt. „Wir haben den Unterschied gemacht, indem wir den Unterschiedstheoretiker gaben“, so ein frustrierter Abgeordneter der Landtagsfraktion. „Wir haben den Strukturwandel seziert, anstatt ihn zu gestalten. Kretschmann war der Architekt des reflexiven Vorbehaltes.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Brüssel, so wird aus diplomatischen Kreisen berichtet, beobachtete man den „Stuttgarter Sonderweg“ lange mit einer Mischung aus ungläubigem Kopfschütteln und heimlicher Bewunderung. „Andere Länder versuchen, mit Gesetzen zu regieren. Baden-Württemberg“, so ein EU-Beamter, „scheint mit einer bestimmten Art, die Fahrradkette zu ölen, zu regieren.“
Die Reaktionen aus dem übrigen Deutschland sind gespalten. In Bayern, heißt es aus Kreisen der CSU, verfolge man das „grüne Experiment am Neckar“ mit „asketischer Faszination“. „Sie haben es geschafft, Ökologie als Ethik der Mittelschicht zu verpacken, nicht als Innovation für die Industrie“, kommentierte ein namhafter Kolumnist der „Welt“ in einer internen Analyse, die dieser Redaktion vorliegt. Die FDP spricht von einer „Ära der symbolischen Selbstfixierung“, während die Linke im Landtag den fehlenden Druck auf die Automobilkonzerne beklagt.
Ausblick
Was folgt nach der Ära Kretschmann? Die Suche nach einem Nachfolger, der sowohl den „Stil“ als auch die „Substanz“ repräsentieren kann, entwickelt sich bereits zum internen Theater. „Jeder Kandidat muss jetzt auch einen nachweisbaren ökologischen Fußabdruck in Form eines eigenen Fahrradparks vorweisen können“, scherzt ein Insider – und seine Stimme verrät, dass es hinter der scherzhaften Bemerkung ein Kern von Wahrheit steckt. Die große Debatte, so ist zu erwarten, wird sich bald nicht mehr um die Dezimierung von CO₂-Emissionen drehen, sondern um die ästhetische Integrität der dekarbonisierten Mittelklasse-Existenz. Das Vermächtnis Kretschmanns könnte darin bestehen, dass die Lehre aus seiner Regierungszeit lautet: Wenn man das Narrativ perfekt beherrscht, kann man die Realität eine Weile ignorieren. Bis zum nächsten Wahltag.
Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.