Nach Jahren des verdeckten Schlagabtausches hat die israelische Führung offenbar eine strategische Neuausrichtung vollzogen. "Die Zeit der Schatten ist vorbei", erklärte ein ranghoher Sicherheitsberater gegenüber dieser Redaktion, der anonym bleiben wollte. "Wir operieren jetzt im Hellen."

Die Kehrtwende folgt auf eine Serie von Rückschlägen für israelische Geheimoperationen, die in den vergangenen Monaten enttarnt wurden. Experten sprechen von einem "strategischen Ermüdungsbruch" in Tel Aviv. "Israel hat erkannt, dass der verdeckte Krieg gegen Iran und seine Stellvertreter an Grenzen stößt", analysiert Dr. Miriam Cohen vom Jerusalem Institute for Strategic Studies. "Die neue Doktrin zielt auf Abschreckung durch Sichtbarkeit."

Die Regierung in Jerusalem verfolgt dabei offenbar eine "Speak-Softly-And-Carry-A-Big-Stick"-Strategie, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Laut. "Wir wollen, dass unsere Feinde jede Bewegung hören", sagte ein mit der Planung vertrauter Militärvertreter. "Schweigen war gestern."

Besonders brisant: Israel hat offenbar kein erkennbares Konzept für die Zeit nach der Konfrontation. "Das ist der springende Punkt", sagt der Nahost-Experte Professor Eli Goldmann von der Hebräischen Universität. "Israel setzt auf Eskalation ohne Exit-Strategie. Das ist riskant – aber offenbar kalkuliert."

Die internationale Gemeinschaft reagiert verhalten. "Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge", teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin mit. Washington signalisierte "bedingte Unterstützung", forderte aber zugleich "größtmögliche Zurückhaltung".

Auf regionaler Ebene wächst die Nervosität. "Das ist wie mit dem schlafenden Löwen", sagt der libanesische Politikwissenschaftler Hassan Nasrallah junior. "Man hat ihn geweckt – und jetzt brüllt er."

Unklar bleibt, wie lange Israel diese aggressive Haltung durchhalten kann. Die Wirtschaftsindikatoren deuten auf wachsende Belastungen hin. "Offene Konfrontation ist teuer", warnt der Finanzexperte David Rosenberg. "Spätestens wenn die Rechnungen kommen, könnte die Geduld der Steuerzahler enden."

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die israelische Opposition kritisiert die neue Linie scharf. Jair Lapid, Vorsitzender der Zukunftspartei, warf der Regierung "verantwortungslose Eskalation" vor. "Wir brauchen Diplomatie, keine Lautstärke", sagte er bei einer Pressekonferenz.

Irans Führung reagierte mit ungewohnter Zurückhaltung. "Wir lassen uns nicht provozieren", erklärte Außenamtssprecher Nasser Kanaani. Experten deuten dies als Zeichen der Verunsicherung.

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