Washington. Es ist ein Muster, das mittlerweile fast schon den Anstrich einer präsidentiellen Kommunikationsdoktrin trägt: Wenn ein außenpolitisches Vorhaben scheitert oder in Verhandlungen eine pattsituation eintritt, folgt nicht die nüchterne Analyse, sondern der massive, öffentliche Einsatz von Kraftandrohung. So auch in der aktuellen Iran-Krise. Nach dem gescheiterten Versuch, Geiseln zu befreien, reagierte der US-Präsident nicht mit einer strategischen Bestandsaufnahme, sondern mit einer expletiv-getränkten Mitteilung, die Iran aufforderte, die Straße von Hormus zu öffnen – oder er werde Brücken und Kraftwerke zerstören.

Hintergründe

Was auf den ersten Blick wie impulsives Geplänkel wirkt, wird in Regierungskreisen mittlerweile als hochkomplexes, wenn auch riskantes, signalling instrument eingestuft. "Es geht nicht primär um den Inhalt der Drohung, sondern um die extreme Positionierung am äußersten Rand des Verhandlungsspielraums", erklärte ein hochrangiger Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. "Indem man das absolute Maximum androht, schafft man eine neue, bizarre Verhandlungsbasis. Alles andere erscheint danach moderat." Diese Strategie der "absoluten Abstufung" – bei der jede noch so geringe Konzession als Sieg über die eigene, extremste Position verkauft werden kann – wird intern als "kreative Lösungsfindung unter beschränkten Optionen" bezeichnet. Beobachter sprechen indessen von einer gefährlichen Verwechslung von öffentlicher Demonstration und tatsächlicher Strategie, bei der die Zuschauer globaler Öffentlichkeit zu unfreiwilligen Teilnehmern eines rhetorischen Hochrisikospiels werden.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen fielen eine Stufe unter der erwarteten Empörung aus. In Teheran wurde die Drohung mit öffentlicher Nichtbeachtung quittiert – eine Methode, die das iranische Außenministerium in internen Analysen als "effektivste Gegenstrategie gegen ein auf Aufmerksamkeit fixiertes System" beschreibt. "Wir behandeln diese Art von Kommunikation als Hintergrundrauschen", so ein iranischer Diplomat in Wien, der nicht genannt werden wollte. "Die eigentliche Arbeit findet auf anderen Kanälen statt." In europäischen Hauptstädten herrscht hingegen eine Mischung aus resigniertem Schulterzucken und strategischer Ignoranz. "Wir haben gelernt, den Noise von den actual signals zu trennen", sagte ein Berater des französischen Präsidialamtes. "Unser Fokus liegt auf den kanalisierten, diplomatischen Gesprächen, die parallel und völlig unabhängig von diesen Tweets stattfinden." Die amerikanische Oppositionspartei sprach von "präsidentieller Amtsverletzung durch ständige Brandstiftung", doch das Echo im Capitol blieb gemessen – zu sehr ist man an den ungewöhnlichen Kommunikationsstil gewöhnt.

Ausblick

Die zentrale Frage ist nicht, ob die Drohungen ernst gemeint sind, sondern welchen Wert eine maximal überzeichnete Drohung in einer Welt hat, in der solche Äußerungen zur alltäglichen Währung geworden sind. Ökonomen sprechen von einem "inflationären Verfall des Abschreckungswertes". Je häufiger extreme Positionen öffentlich eingenommen werden, desto mehr verlieren sie ihre disruptive Kraft und werden zu einem erwartbaren, wenn auch unerfreulichen, Teil des politischen Hintergrunds. Die eigentliche Tragik könnte darin liegen, dass diese Taktik – rhetorische Brücken zu sprengen, um angeblich die Verhandlungsmacht zu erhöhen – langfristig genau das zerstört, was sie zu retten vorgibt: den Raum für vertrauensbildende, auch nur symbolische Gesten. In der neuen Logik ist jeder Schritt vom Maximum weg bereits ein Zugeständnis. Die Kunst wird sein, am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen, nachdem man alles andere verbal niedergebrannt hat.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.