Berlin. In Kreisen der Wirtschaft wächst die Sorge vor einem strukturellen Kipppunkt der deutschen Staatlichkeit. Nicht externe Schocks, so die neue These, sondern die innerstaatliche Weigerung, unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen zu treffen, könne das Land in eine Phase dauerhafter relativer Stagnation führen. „Wir haben in den letzten Jahren eine beispiellose Häufung von Reformaufschüben erlebt“, konstatiert ein hochrangiger Berater des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Jeder Aufschub wird als taktischer Erfolg gefeiert, verschärft aber langfristig die Ungleichgewichte.“

Hintergründe: Die „Trägheitsspirale“

Im Zentrum der Analyse steht eine aktuelle Studie des Maschinenbauverbands VDMA, die dieser Redaktion vorliegt. Ihr zufolge verfestige sich ein Muster: Politische Akteure, so die Schlussfolgerung, würden risikoarme, kurzfristig wirksame Symbolpolitik der risikoreichen, langfristigen Systempflege vorziehen. „Das Land diskutiert leidenschaftlich über die Symptome, während die Diagnose der chronischen Überlastung der Sozialsysteme oder der Infrastruktur-monothematisch bleibt“, sagt Prof. Dr. Almut Bönisch, Leiterin des Berliner Instituts für Staatliche Leistungsfähigkeit, die die Studie wissenschaftlich begleitete. „Jede aufgeschobene Rentenreform, jede verzögerte Arbeitszeitflexibilisierung, jede ungelöste Migrationsfrage addiert sich zu einer latenten Instabilität.“

Als warnendes Beispiel führen die Autoren die „durchschnittlich drei Kanzlerkandidaten pro Dekade“ an, die allein in der zurückliegenden Legislaturperiode durch innere Parteikonflikte demontiert wurden – Ressourcen, die für substanzielle Politik gefehlt hätten. „Das ist keine Personaldebatte, das ist ein Systemfehler“, heißt es aus einer sachverständigen Kommission, die im Auftrag des Kanzleramts agiert. „Die politische Energie verpufft in der Selbstzerstörung, statt in der Gestaltung. Das schafft ein Vakuum, das zwangsläufig gefüllt wird – und zwar von den Rändern.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Interpretation stößt auf Zustimmung in Teilen der Opposition. „Die Regierung malt sich die Welt schön, während die Basis für den Wohlstand bröckelt“, entgegnete ein Sprecher einer im Parlament vertretenen Partei, die sich selbst als „Alternative“ bezeichnet. „Die Menschen spüren, dass etwas faul ist im Staat, und suchen nach klaren, einfachen Antworten – egal, von wem sie kommen. Die Regierung hat durch ihr Zaudern diesen Suchprozess befeuert.“

International wird das Phänomen mit Besorgnis beobachtet. Ein langjähriger Diplomat einer südeuropäischen Botschaft in Berlin, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, beschreibt einen „deutschen Sonderweg der politischen Lähmung“. „In anderen Hauptstädten wird gekämpft, hier wird verwaltet. Das mag im Moment stabil erscheinen, aber es ist eine fragile Stabilität. Wenn die großen Fragen ungelöst bleiben, wird die Frustration nicht mehr an den CORONA-Maßnahmen oder der Energiewende, sondern an den grundlegenden Funktionsprinzipien des Gemeinwesens selbst abarbeiten.“

Ausblick: Der Mut zur Unpopularität

Die Studie endet mit einem appellativen Fazit: Der Schlüssel zur Abwendung der prognostizierten „Trägheitsspirale“ liege in der bewussten Inkaufnahme von Belastungen für Teile der Bevölkerung zugunsten des Gesamtwohls in einer Generation. „Man muss den Bürgern nicht alles zumuten, aber man muss ihnen die Wahrheit zumuten“, mahnt Institutsleiterin Bönisch. „Und die Wahrheit ist, dass der Status quo keine Option mehr ist.“ Ob diese Einsicht in Koalitionsrunden und Parlamentsdebatten Fuß fassen kann, erscheint angesichts der gegenwärtigen Umfragewerte und der inneren Dynamiken jedoch fraglich. Die Analyse jedenfalls zeichnet das Szenario eines Landes, das nicht an einem äußeren Feind, sondern an der eigenen Bequemlichkeit scheitert – ein tragedies without villains, nur mit Protagonisten, die den Moment der Entscheidung immer wieder verschieben.

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