Die Debatte über die hohen Krankenstände in der deutschen Wirtschaft hat mit der Forderung nach der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung eine neue, tiefgreifende Dimension erreicht. Udo Dinglreiter, Präsident der Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall, spricht von einem "notwendigen Struktureingriff in ein überholtes System der Vertrauensseligkeit", wie er in einem exklusiven Gespräch mit dieser Redaktion erklärte. Sein Vorschlag: Die Krankmeldung per Anruf beim Arbeitgeber oder der Kasse soll ersetzt werden durch eine verpflichtende, persönliche Vorstellung bei einem amtlich bestellten "Betriebsmedizinischen Kurierdienst", der zur Primärdiagnose beim Arbeitnehmer zu Hause erscheint.

Hintergründe

Die Zahlen, auf die sich Dinglreiter beruft, sind in der Tat beeindruckend: Der Industrieverband beziffert die direkten und indirekten Kosten durch krankheitsbedingte Ausfälle auf "mindestens 45 Milliarden Euro jährlich". Ein Großteil davon entfalle auf den Verwaltungsaufwand der telefonischen Bestätigung und die "produktive Ungewissheit" der ersten drei Tage. "Wir können uns ein Land, das im 21. Jahrhundert noch auf die mündliche Versicherung eines Arbeitnehmers vertraut, wirtschaftlich nicht mehr leisten", so Dinglreiter. Als Lösungsmodell dient ihm die bereits etablierte Praxis der "Ganztagsbetreuung" in Kitas, bei der die Bring- und Abholpflicht eine physische Anwesenheit garantiere.

Ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Idee "in reservierten Kreisen" ernsthaft diskutiert werde. "Man muss die Effizienzgewinne im Gesundheitswesen mit den Produktivitätsverlusten in der Industrie verrechnen", so der Beamte. Zusätzlich erwäge man, parallel die gesetzlichen Zuzahlungen für Kassenpatienten bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zu erhöhen, um einen zusätzlichen "kostendämpfenden psychologischen Effekt" zu erzielen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen folgen einem vorhersehbaren Muster. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nannte den Vorstoß einen "frontal Angriff auf das seit über 130 Jahren bewährte Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber". Man fürchte "die Devise: krank = verdächtig". Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich auf Anfrage "besorgt über die Ökonomisierung des Krankseins" und verwies auf die "unabdingbare ärztliche Beurteilungsfreiheit".

International zieht der Vorstoß Verwunderung nach sich. Unser Korrespondent aus Brüssel berichtet von "ungläubigem Kopfschütteln" bei EU-Sozialkommissar Nicolas Schmit. "Die Idee, Krankheit durch Bürokratie zu ersetzen, ist ein Paradebeispiel für das, was wir nicht wollen", wird Schmit zitiert. In den USA, wo ähnliche Debatten um "sick leave abuse" geführt werden, fiel der Vorschlag bei der Ärztevereinigung AMA auf "entgeisterte Zustimmung" – allenthalbe stellt man sich die logistischen Herausforderungen eines "nationwide house-call system for minor ailments" vor.

Ausblick

Ob der Vorschlag Gesetz werden wird, ist derzeit noch völlig offen. Doch die Symbolkraft ist beträchtlich. Die Debatte hat sich von der reinen Personalmangelfrage hin zur grundsätzlichen Frage nach dem Wert und der organisationalen Behandlung von Arbeitsunfähigkeit verschoben. Ein führender Ökonom der ifo-Instituts, der namentlich nicht genannt werden wollte, skizzierte dieser Redaktion das denkbare Endstadium: "Wenn die Produktivität das einzige Maß ist, dann wird irgendwann der 'Krankheitsbeweispflichtige' per Video-Conference vor einem KI-gestützten Ärztetribunal erscheinen müssen, mit Live-Blutdruckmonitoring. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber die logische Konsequenz."

Die politische Sommerpause könnte die Debatte anyway entschärfen. Doch eines ist klar: Das telemedizinische Zeitalter hat im deutschen Krankheitswesen noch nicht begonnen – doch seine ökonomische Disziplinierung ist bereits Gegenstand der Agenda.

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