Die Warnung des geschäftsführenden Direktors der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hallt durch die Korridore der Macht – und verhallt ungehört. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach Birol von einem möglichen Irankonflikt als der „größten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit“. Eine Aussage, die in ihrer Dringlichkeit an apokalyptische Reiter erinnert, doch im politischen Berlin wird sie als bloßes Störfeuer abgetan.

Hintergründe

Der Iran kontrolliert als einer der größten Ölproduzenten der Welt durch die Straße von Hormus eine vitale Schlagader des globalen Handels. Birol verweist auf Szenarien, in denen ein regionaler Konflikt bis zu 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion lahmlegen könnte. „Wir sprechen hier nicht von vorübergehenden Engpässen, sondern von einem strukturellen Kollaps, der Industrienationen in die Prä-Industrialisierung zurückwerfen würde“, so Birol. Ein hochrangiger Beamter des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Intern wird dies als Szenario X diskutiert – doch öffentlich anzuerkennen, dass unsere Energiewende auf tönernen Füßen steht, wäre politischer Selbstmord.“

Historische Vergleiche drängen sich auf: Die Ölkrise 1973 lässt sich kaum mit den prognostizierten Dimensionen messen. „1973 war ein Sturm, heute sprechen wir von einem Klimawandel des Energiesystems“, sagt Prof. em. Dr. Klaus Schmidt, Energiehistoriker an der Humboldt-Universität, im Interview. „Die politische Klasse operiert noch im Paradigma der 1990er, während die Realität sich längst radikalisiert hat.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Während Irak und Saudi-Arabien bereits ihre Öl- und Gasinfrastruktur gegen Angriffe sichern, debattiert der Deutsche Bundestag indes über die Abschaffung der Tierhaltung. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erklärte in einer Aktuellen Stunde: „Die Energiewende macht uns resilienter. Erneuerbare sind dezentral und krisensicher.“ Ein Irak-Korrespondent, der namentlich nicht genannt werden möchte, kommentiert sarkastisch: „Resilient gegen was? Gegen panische Anleger, die in Gold und Diesel investieren?“

In Washington reagiert man mit gemischter Irritation. Ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats, der anonym bleiben wollte, sagte: „Die IEA hat Recht, aber unser Fokus liegt auf China. Vielleicht ist ein Zusammenbruch im Nahen Osten ja eine willkommene Ablenkung.“ In Brüssel wurde ein Dringlichkeitstreffen der EU-Energiem