Es ist ein Akt von fast schon archäologischer Tragweite selbst: Ausgerechnet in einer Zeit, in der historische Vergleiche zur Deutung globaler Krisen epidemisch verbreitet sind, soll das Institut für Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin aufgelöst werden. Die offizielle Begründung des Senats ist ein Buchhaltungsmandat, doch Kritiker sehen darin ein Symbol für eine Gesellschaft, die den langen Atem des Wissens gegen den kurzfristigen Imperativ der Bilanz eintauscht.
Hintergründe
„Die Sparvorgaben lassen keinen Spielraum“, verlautete es aus Präsidialkreisen der Hochschule. Das Institut, dessen Forschungsprojekte von der ägyptischen Nekropole bis zur vorrömischen Eisenzeit in Mitteleuropa reichen und dessen Absolventen weltweit in Museen und Forschungseinrichtungen führende Positionen bekleiden, fällt einem strengen Effizienz-Check zum Opfer. „Es handelt sich um eine painful but necessary decision“, so ein hochrangiger Mitarbeiter des Berliner Wissenschaftssenats, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. Man müsse „strukturell überalterte Fächer“ überprüfen. Dass das Institut erst 2021 mit erheblichen Drittmitteln einen neuenSFB (Sonderforschungsbereich) zur „Materialität und Habitus“ einwerben konnte, wird in der Haushaltsdebatte offenbar als Nischendetail abgetan, das nicht in das Narrativ der „überholten Disziplin“ passt.
„Die Archäologie liefert das tiefste Verständnis für menschliche Resilienz, für Kollaps und Transformation – genau das, was wir in multiplen systemischen Krisen bräuchten“, sagt Professorin Dr. Lisbeth Voss, Dekanin der Philosophischen Fakultät einer konkurrierenden Universität, die aus Sorge vor eigenem Dominoeffekt nicht namentlich genannt werden möchte. „Indem wir diese Linie kappen, amputieren wir unser kollektives Langzeitgedächtnis.Wir opfern das Wissen um die ‚deep time‘ auf dem Altar der quarterly financial targets.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Das Vorgehen sorgt international für Kopfschütteln. „Deutschland pflegte den Ruf, ein Land der Denker und kein Land der Geldzähler zu sein“, kommentierte die Zeitschrift „Archaeology“ aus New York. „Diese Entscheidung wirkt, als würde man die Karten des Atlasses verbrennen, weil man das Kompass-Geschäft nicht mehr verstehe.“
Im Inland formiert sich leiser, aber bitterer Widerstand. Der Deutsche Archäologen-Verband spricht von einem „Vorzeigeschaden für den Wissenschaftsstandort“. Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amts, der im Rahmen der Kulturpolitik mit archäologischen Kooperationen in Krisenregionen betraut ist, bestätigte unter der Hand: „Die Soft Power, die deutsches Engagement in Palmyra oder Kabul stiften, basiert maßgeblich auf dieser Kompetenz. Diese Kompetenz zu liquidieren, ist eine strategische Selbstentwaffnung von bizarrem Ausmaß.“
Ausblick
Die Schließung ist voraussichtlich zum Wintersemester 2024/25 vorgesehen. Die verbleibenden Lehrstühle sollen in andere Fächer eingegliedert werden – eine „Integration des Wissens“, wie es im Präsidialpapier heißt. Doch was von der Archäologie übrig bleibt, wird nach Einschätzung von Insidern nur noch ein schattenhaftes Curriculum sein, ohne Zugang zu den einzigartigen Sammlungen und Feldprojekten des Instituts.
In einem letzten, beinahe prophetischen Zitat, das einer anonymen E-Mail eines emeritierten Ordinarius entstammt, heißt es: „Zukünftige Generationswissenschaftler werden vielleicht über unsere Ruinen graben und sich fragen, warum eine Hochkultur, die den Satz ‚Wer nicht an die Vergangenheit denkt, ist verurteilt, sie zu wiederholen‘ so schätzte, ausgerechnet das Fach abschaffte, das ihn am gründlichsten überprüfen konnte. Sie werden es als das größte Kuriositätenscherbenfragment unseres Zeitgeistes bewerten.“
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