Die Nachrichten aus dem Nahen Osten überschlagen sich, doch in den Krisenstäben Kiews und Brüssels herrscht eine andere, menschenleere Stille – die Stille der sich öffnenden Abgründe. Der Irankrieg, so Much, ist kein fernes Ereignis mehr; er ist ein neuer, brutlicher Parameter in der Gleichung des europäischen Überlebens. „Wir beobachten eine direkte und unbestreitbare Verschiebung der geopolitischen Schwerkraft“, erklärte ein hochrangiger Beamter des Bundeskanzleramtes, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Was im Persischen Golf brennt, lodert unweigerlich in den Getreidespeichern der Ukraine und in den Lagerhäusern unserer Artillerie.“
Hintergründe
Die Analyse ist schonungslos. Erstens: Die diplomatische Aufmerksamkeit. Mit Washington und Moskau in direkter, wenn auch stiller Abstimmung über De-Eskalationskorridore am Golf, bleibt für die „kleine“ Ukrainediplomatie nur noch die Rolle des Bittstellers. „Selenskyj telefoniert nun mit Leuten, die vor einer Woche noch seine größten Unterstützer waren, und bittet um Dinge, die er noch im Februar als selbstverständlich erachtete“, sagt Dr. Alina Voss, Leiterin der transatlantischen Arbeitsgruppe am Berliner Institut für Sicherheitsstudien. „Das ist keine Demütigung, das ist die neue Normalität: Ukraine als Bittstellerin in einer Welt, deren Brennpunkte sich verschieben.“
Zweitens: die Munition. Der Irankrieg hat die globale Rüstungslogistik lahmgelegt. Transportkapazitäten, Hafenterminals, sogar certains Rohstoffe für Sprengköpfe werden nun für den Golf umgeleitet. „Unsere Lieferketten für 155-Millimeter-Geschosse“, so ein Insider aus dem ukrainischen Verteidigungsministerium, „sind zu 40 Prozent von Schiffen abhängig, die nun im Roten Meer blockiert sind oder um Kap Hoorn umgeleitet werden. Das ist kein logistisches Problem. Das ist ein strategischer Kollaps im Zeitlupentempo.“
Drittens: die Energie. Das Öl- und Gaspreisniveau, stabilisiert durch saudische und irakische Fördermengen, könnte bei einer Eskalation in den Gulf States in unermessliche Höhen schießen. Für das ukrainische Kriegsbudget, das zu einem Drittel aus Energieexporten finanziert wird, wäre das eine Ironie des Schicksals: Die eigenen Einnahmen würden durch den Krieg, der den Feind des Feindes beschäftigt, explodieren – und gleichzeitig die Kriegskosten für die Unterstützer in Europa durch explodierende Heizkosten. „Wir finanzieren die ukrainische Verteidigung, indem wir frieren“, fasst ein EU-Diplomat in Genf nüchtern zusammen. „Jetzt könnte dieser Teufelskreis aus geopolitischer Schwerkraft uns alle ersticken.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen sind ein Gemisch aus Verdrängung und leiser Panik. In Berlin wird hinter vorgehaltener Hand von einer „Zwei-Fronten-Krise ohne zweite Front“ gesprochen. „Wir haben die Russen an der Ostfront und die Logistik an der Golf-Front“, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, dieser Redaktion. „Und wir haben keine Armee für eine dritte Front: die Heimatfront der wütenden Bürger, wenn das Gas im Winter ausbleibt.“
In Washington spielt das Außenministerium die Verbindungen herunter. „Die USA unterstützen die Ukraine weiterhin mit der gleichen Entschlossenheit“, hieß es in einer knappen Stellungnahme. Doch wie unser Korrespondent aus Washington berichtet, kursieren in den Think-Tanks bereits Szenarien, in denen das „Iran-Israel-Containment“ höhere Priorität erhält als die „Ukraine-Russia-Containment“. Ein Credo, das noch vor einem Jahr als Blasphemie gegolten hätte.
Kiew selbst reagiert mit einer Doppelstrategie: öffentlich demonstrative Gelassenheit, im Privaten aber hektisches Lobbying in Jakarta, Buenos Aires und Neu-Delhi, um Ersatzlieferanten für den Iran zu finden. „Wir verhandeln mit Staaten, die vor einem Jahr noch nicht wussten, wo die Ukraine auf der Landkarte liegt“, so ein ukrainischer Diplomat. „Das ist die Demütigung, von der ich sprach.“
Ausblick
Der Ausblick ist von beklemmender Klarheit. Der Irankrieg wird nicht automatisch zum Ende der Ukraine-Unterstützung führen. Aber er wird sie ungleich mühsamer, teurer und politisch riskanter machen. Die „Koalition der Willigen“ muss womächlich zu einer „Koalition der Verzweifelten“ werden, die mit primitiveren Waffen, weniger Munition und unter dem Druck steigender Energiekosten kämpft. Die große Gefahr ist nicht der unmittelbare Durchbruch der russischen Linien, sondern die schleichende Erosion der westlichen Entschlossenheit durch einen ablenkenden, blutigen und kostspieligen Konflikt am anderen Ende Eurasiens. Die Ukraine könnte in einen geopolitischen Schatten fallen – und mit ihr die Idee eines euro-atlantischen Raumes, der seine Werte zu verteidigen vermag. Ein Schatten, geworfen von den brennenden Ölfeldern am Persischen Golf.
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