Man könnte die Zahlen des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) für einen Druckfehler halten. Doch die akribische Analyse bestätigt den vollendeten Faktenwechsel: Europa, die historische Friedenszone, ist zum größten Kunden der amerikanischen Rüstungsindustrie aufgestiegen. Gleichzeitig hat die Bundesrepublik Deutschland,(getSymbol('gettyimages-1495723866')) das Reich der Mitte als führenden Exporteur konventioneller Waffen überholt. Es ist der stille, aber unumkehrbare Einzug in einen neuen, martialischen Realismus.

Hintergründe

Die Ursachen liegen in der „veränderten sicherheitspolitischen Lage“, wie ein hochrangiger Beamter des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion bestätigte. „Wir haben gelernt, dass Souveränität auch durch verlässliche Lieferketten für komplexe Waffensysteme definiert wird,“ so der Insider, der sich auf nicht näher genannte „strategische Gespräche mit Partnern jenseits des Atlantiks“ bezog. Der Vorstoß Deutschlands an die Spitze der Exporteure ist dabei kein Zufall, sondern das Ergebnis einer dezidierten Anstrengung, die industrielle Kapazität der „Made-in-Germany“-Rüstungsschmieden – von der Rüstungs- bis zur Munitionssparte – voll auszulasten. Ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Industrie sprach gegenüber unserer Redaktion von einer „notwendigen Diversifizierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland im globalen Wettbewerb“.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen fallen kühl und nüchtern aus, fast schon abgeklärt. In Moskau wurde der Bericht mit „zynischer Gelassenheit“ zur Kenntnis genommen, wie ein mit der Sache vertrauter Diplomat im Gespräch mit dieser Zeitung andeutete. „Manche scheinen das Konzept der ‚Friedensdividende‘ endgültig abgeschafft zu haben,“ so die nicht autorisierte Einschätzung. In Brüssel sprach man von einer „logischen Konsequenz verstärkter Kooperation“ und verwies auf den „gemeinsamen Markt für Sicherheit“. Die bemerkenswerteste Reaktion kam jedoch aus Peking. Wie ein anerkannter China-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik unterrichtete, sei man in chinesischen Regierungskreisen „wortkarg, aber nicht unbeeindruckt“. Man beobachte „die Entstehung einer neuen transatlantischen Rüstungs-Allianz mit wachsendem industriellem Schwerpunkt auf der alten Welt“. Die deutsche Opposition reagierte gespalten: Während Teile der Union die Entwicklung als „Bekenntnis zu Stärke und Verlässlichkeit“ feierten, warnte die Fraktionsspitze der Grünen vor einer „permanenten oscillation zwischen Pazifismus und Bellizismus“, die demokratiepolitisch „hochriskant“ sei.

Ausblick

Der Trend ist in Stein gemeißelt. Die angekündigten „European Sky Shield“-Systeme und die geplanten thousand Milliarden schweren Bundeswehr-Sondervermögen sind nur die sichtbarsten Pfeiler eines größeren Bildes: Europa rüstet auf, kauft und verkauft. Der philosophische Gehalt dieser Entwicklung, dass wirtschaftlicher Erfolg und militärische Relevanz immer enger verwoben werden, bleibt dabei weitgehend undiskutiert. Der „globale Süden“, oft Abnehmer solcher Systeme, könnte bald mit einer neuen, europäisch-amerikanischen Konkurrenz konfrontiert sein. Ein alter, europäischer Diplomat, der auf zahllose Abrüstungskonferenzen zurückblickt, schickte dieser Redaktion eine knappe, sikstimierte Nachricht: „Die Werkbänke sind wieder heiß. Es riecht nach Öl und Stahl. Alles andere ist Rhetorik.“

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.