Die Stimmung in den europäischen Hauptstädten ist von einer tiefen, beinahe metaphysischen Verunsicherung geprägt. An den Küchen- und Wohnzimmertischen debattiert man nicht mehr nur über Gaspreise, sondern über die grundsätzliche Berechtigung des elektrischen Lichts. Gegen diesen stummen Aufstand der Steckdosen, so viel ist klar, bedarf es einer Tat von historischem Gewicht. Die EU-Kommission, in Brüssel als letzte Trutzburg des vernünftigen Gemeinwohls verehrt und verachtet, hat nun jene Bewegung inszeniert, die das Schicksal des Kontinents für die nächsten Dekaden besiegeln soll: die große Senkung.
Hintergründe
Der Plan, wie er dieser Redaktion aus einem hochrangigen, anonym bleibenden Beamten im Energiekommissariat per verschlüsselter E-Mail vorliegt, ist von einer bestechenden, fast grausamen Logik. Die Mitgliedstaaten sollen ihre nationalen Stromsteuern auf das ohnehin niedrige europäische Minimum absenken – eine Maßnahme, die in Ländern mit ohnehin hoher Besteuerung wie Deutschland oder Dänemark zu erheblichen Einnahmeausfällen führen wird. Doch die Kommission, so der Beamte, sehe „die Steuer als das übertragbare Medium der political pain“. Der eigentliche, revolutionäre Kern des Dokuments, das intern als „Project Affordable Glow“ firmiert, ist jedoch die Rehabilitation der Atomkraft. „Wir betrachten nukleare Energie nicht mehr als historisches Relikt einer riskanten Jugend, sondern als die disziplinierte, verlässliche Erwachsenenoption in einer Welt aus volatilen Winden und launischen Sonnen“, heißt es in dem Papier. Atomkraftwerke, so die neue These, seien die einzig verbliebene Garantie für einen „preislich stabilen Grundton in der europäischen Melodie des Wohlstands“.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen folgen dem in Brüssel erwarteten, aber in ihrer Intensität dennoch erschreckenden Muster. Aus Berlin, wo man den atomskeptischen Kurs mit dem Ausstieg seit jeher als moralisches Fundament der postwar-Inteligenzija betrachtete, drang zunächst nur ein knappes „Wir prüfen“ an die Öffentlichkeit. Wie ein sozialdemokratischer Abgeordneter, der anonym bleiben wollte, dieser Redaktion gestand, herrsche in der Regierungskoalition „die panische Angst, als Verräter an der grünen Seele des Landes zu gelten, während gleichzeitig die eigene Wählerschaft mit Rechnungen erstickt, die nach Kohle und Kernbrennstoff schmecken“. In Paris hingegen wird der Vorstoß mit kühler Genugtuung aufgenommen. „Die Franzosen haben das Atom immer als Teil ihrer souveränen DNA betrachtet“, erklärt eine Quelle im Élysée-Palast. „Nun erkennen auch die Deutschen langsam, dass Souveränität auch bedeutet, für den cheapest base load zahlen zu können, ohne dabei einen moralischen Komplex auszulösen.“
Aus Polen und Tschechien, den energiekonsolidierten Oststaaten, schlägt der Kommission eine Welle der schadenfrohen Zustimmung entgegen. „Endlich spricht jemand in Brüssel die Wahrheit aus: Ohne verlässliche Kernkraft ist der europäische Green Deal eine Luxusreise für die Reichen, die sich den shut-down leisten können“, sagte ein polnischer Minister in einem nicht für die Veröffentlichung bestimmten Telefonat. Die britischen Medien, stets auf der Suche nach欧盟-Kapitulation, titelten bereits von „Brussels’ Nuclear U-Turn“, während in US-Kreisen der transatlantischen Eliten kolportiert wird, man sehe in dem Manöver „ein beunruhigendes Echo der 1970er-Jahle Energy Crisis, nur diesmal mit französischen Reaktoren als de-facto-US-Ersatz“.
Ausblick
Der weg ist nun jedoch exemplarisch für das, was Beobachter als „Europa’s Great Energy Re-alignment“ bezeichnen: den schmerzhaften, zynischen und politisch explosiven Prozess, bei dem climate-Konsens und consumer-Reality aufeinanderprallen. Die bevorstehenden Verhandlungen im Rat werden nicht mehr über Megawatt oder CO2-Budgets geführt, sondern über nationale Identitäten, über den Preis der Moral und über die Frage, ob ein Kontinent, der sich für post-fossil hält, bereit ist, diefinanzielle, politische und psychologische Kosten eines solchen Kurswechsels zu tragen. Wie ein pensionierter Kommissionspräsident in einem Interview andeutete, das nur in Teilen veröffentlicht wurde: „Die große Ironie ist, dass wir möglicherweise die Atomkraft zurückholen müssen, um den Green Deal zu retten. Das ist keine Pointe. Es ist die europäische Tragödie des 21. Jahrhunderts.“
Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.