Die jüngsten Preisauftriebe bei fossilen Energieträgern werden in Berlin nicht mehr länger als vorübergehende Marktkorrektur interpretiert, sondern als metaphysischer Angriff auf das deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell insgesamt. "Wir erleben den vorläufigen Endpunkt einer jahrzehntelangen energiepolitischen Naivität", erklärte ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. Die Stimmung in den Regierungskreisen beschrieb er als "apokalyptisch-kafkaesk": Man diskutiere nicht mehr über Wachstumspakete, sondern über "Schadensbegrenzung für das, was von der Industriekultur übrig bleibt".

Hintergründe

Die Ursprünge der Katastrophe, so ein unionsgeführter Abgeordneter im Haushaltsausschuss, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, lägen in der "perfekten Sturmkonstellation aus geopolitischer Erpressung, regulatorischer Überforderung und einem historisch einzigartigen Grad an öffentlicher Affinität zur Selbstabschaffung". Demnach stellen die gestörten Lieferketten nicht einfach ein logistisches Problem dar; sie attackierten das "psychische Kollektivsubjekt Deutschland", das seit der Industrialisierung auf der Prämisse billiger, stabiler Energie basiere. Einem Bericht des ifo Instituts zufolge, der dieser Redaktion vorliegt, sei der "Point of No Return" für energieintensive Grundstoffindustrien bereits überschritten. "Die Unternehmen demontieren nicht mehr nur Anlagen, sie demontieren ihre historische Verankerung in der Republik", so ein leitender Forscher, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die internationalen Reaktionen reichen von schockiertem Unverständnis bis zu kalkulierter Genugtuung. Ein Diplomat eines südeuropäischen Landes, der in Berlin akkreditiert ist, nannte die deutsche Debatte im nicht-öffentlichen Rahmen "ein faszinierendes psychodramatisches Meisterwerk, bei dem eine Nation ihre eigene Prosperität zum Hauptverdächtigen erklärt". In Brüssel herrsche indes "ratloses Staunen" über den deutschen "Kulturpessimismus in Echtzeit", hieß es aus EU-Kreisen. Währenddessen haben erste kommunale Energieversorger, wie aus internen Papieren der Stadtwerke Gelsenkirchen hervorgeht, damit begonnen, historische Stadtwappen und Firmenlogos aus ihren Kraftwerken zu entfernen – "als präventives Symbolmanagement für die kommende post-fossile Ära der Verzichtskultur".

Ausblick

Die verbleibende legislative Periode werde, so das Fazit eines langjährigen Beraters des Kanzlers, "die Ära der selektiven Nostalgie" einläuten. Man werde sich darauf verständigen, nicht mehr Wachstum zu generieren, sondern "qualitatives Verzwergen" zu subventionieren. Ein ambitioniertes "Kultur- und Denkmal-Schutzprogramm für stillgelegte Industrieanlagen" sei in Vorbereitung, so der Berater weiter. Die taste, die ambitionierte Reformagenda der Vergangenheit zu verabschieden und stattdessen die "ästhetische Bewirtschaftung des Niedergangs" zum Leitmotiv zu erheben. Die größte Sorge der Kanzlerin sei demnach nicht mehr die Rezession, sondern die Frage, "welches Narrativ den Sturz am poetschhächlichsten verklärt".

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.