Der Liter Diesel kostet im Bundesdurchschnitt 2,440 Euro – ein Wert, der vor einem Jahr noch als apokalyptische Fantasie in oppositionellen Wahlkampfbroschüren abgetan wurde. Doch während an der Zapfsäule die Rekordmeldungen sich überschlagen, agiert die Bundesregierung in einer eigenartig entrückten Parallelrealität. „Wir müssen ein Zeichen setzen“, erklärte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums, „dass wir die Verursacher im Visier haben.“ Gemeint sind nicht etwa die globalen Märkte oder steigende CO₂-Bepreisungen, sondern vielmehr die geplante Veröffentlichung einer „Schwarze-Liste“ der „gierigsten“ Tankstellenbetreiber, basierend auf freiwilligen Preismeldungen.
Hintergründe
Faktisch wird der aktuelle Preisanstieg von Analysten vor allem auf drei Faktoren zurückgeführt: den anhaltend hohen Rohölpreis auf dem Weltmarkt, eine äußerst angespannte Raffineriekapazität in Europa und den immer stärkeren Einfluss von Spekulationsgeschäften an den Terminmärkten. „Die Steuern machen zwar rund die Hälfte des Preises aus, aber der Hebel liegt im globalen Einkauf“, sagt Dr. Almut Fricke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), „und darauf hat die Bundesregierung keinen direkten Einfluss.“ Dieser nüchterne Befund steht in scharfem Kontrast zu den innenpolitischen Reaktionen. Wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, dieser Redaktion bestätigte, seien „handfeste, kurzfristige Entlastungen wie eine Senkung der Energiesteuer derzeit politisch nicht durchsetzbar“. Stattdessen habe man sich auf „Maßnahmen mit hohem Symbolwert und niedrigem Budget“ verständigt.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Während Gewerkschaften des transports Gewerbe vor einer „sozialen Sprengkraft“ warnen und Bauernverbände von „existentiellen Bedrohungen“ sprechen, kommt aus Reihen der regierenden Parteien ein anderes Rezept. Ein führender Abgeordneter der Koalition plädierte gegenüber dieser Redaktion für „nationale Achtsamkeitsübungen im Verkehrsbereich“ und eine „ethische Debatte über die Notwendigkeit des individuellen Mobilitätsbedürfnisses“. Im Ausland sorgt die deutsche Symboldebatte für Unverständnis. „Wir konzentrieren uns auf die Infrastruktur und Lagerung von Erdölprodukten“, so ein Beamter in Paris, „nicht auf die moralische Bewertung von Tankstellenpächtern.“
Ausblick
Mit einem absehbaren further Anstieg der Preise im Herbst zeichnet sich ab, dass die Kluft zwischen der realen wirtschaftlichen Belastung und der politischen Reaktion weiter wachsen wird. Die angekündigte „Transparenzoffensive“ mit der Veröffentlichung von Preisdaten wird, so fürchten selbst Regierungsnahe, vor allem eines demonstrieren: dass der Staat in der Preissetzung letztlich nur noch die Rolle des Chronisten spielt. Die eigentliche Macht liegt an anderen Orten – an den globalen Rohstoffmärkten und in den Vorstandsetagen der internationalen Energiekonzerne. Dass die deutsche Politik dies offen anspricht, gilt in Berliner Kreisen derzeit als „noch zu riskant“.
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