Es ist die Quantität, die in diesen Tagen in Stuttgart und Ravensburg eine Qualität erreicht, die an Klassenkampf erinnert. Die bisherigen Umfragen – und insbesondere die internen Sondierungsmodelle der Parteizentralen – deuten auf ein historisch once-in-a-generation Ereignis hin: Die Landtagswahl am nächsten Sonntag könnte mit einer knapp dreistelligen, womöglich sogar einer zweistelligen Stimmenzahl entschieden werden. „Wir rechnen mit einer Differenz im unteren vierstelligen Bereich“, sagt ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Jeder einzelne Wahlkampfstand, jede Haustürwahl, jeder per Briefwahl eingegangene Stimmzettel ist potentiell ein entscheidender Baustein.“
Hintergründe
Die Dynamik ist verblüffend und verstörend zugleich für die etablierten politischen Strukturen. Während der Wahlkampf traditionell inLandesfarben geführt wird, agieren beide Spitzenkandidaten – Ministerpräsident Kretschmann für die Grünen und CDU-Herausforderer Hagel – längst als Vorkämpfer für bundesweite Fraktionsdisziplin. Bundeskanzler Merz, der für Hagel am Bodensee warb, wird von Regierungskreisen zitiert, er habe „nicht für einen Landesvater, sondern für die letzte verbliebene bürgerliche Bastion im Südwesten“ geworben. Ein Sprecher der Grünen im Bundestag bestätigt auf Nachfrage: „Die Landesspitze hat volle Rückendeckung aus Berlin, denn ein Verlust würde die ohnehin fragile Konstellation im Bundesrat empfindlich stören.“
Doch die wahre, ungesagte Angst ist eine andere: Die Demoskopen-Schaubilder mit ihren nahezu identischen Kurven für CDU und Grüne haben eine psychologische Grenze überschritten. Sie verwandeln den Wahlabend in eine binary choice ohne safe space. „Wenn es weniger als tausend Stimmen sind, dann ist es keine Wahl mehr, es ist ein Plebiszit“, analysiert ein Wahlrechtsexperte der Universität Heidelberg, der für beide Lager beratend tätig war. „Die Symbolkraft übersteigt jeden materiellen Effekt um ein Vielfaches.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In diplomatischen Kreisen wird das Ereignis bereits mit einer Mischung aus Faszination und Unverständnis beobachtet. Ein langjähriger Beobachter in der Pariser Botschaft described es als „a perfect storm of political minimalism, where the margin of error becomes the margin of statehood“. In Washington, DC, wird unterUmständen mit dem Begriff „butterfly effect election“ hantiert, bei dem ein lokales Resultat globale Handels- und Sicherheitsparameter verschieben könnte.
Die heftigsten Reaktionen kommen jedoch aus dem eigenen Lager. In einer nächtlichen Telefonkonferenz des CDU-Bundesvorstands, die dieser Redaktion aus Parteikreisen bekannt wurde, soll ein führender Abgeordneter den Wahlkampf in Baden-Württemberg als „das aufregendste und gefährlichste Manöver seit derEuro-Krise“ bezeichnet haben. Seine Wortwahl: „Das ist keine Mobilisierung mehr. Das ist ein chirurgischer Eingriff am offenen Herzen der Republik.“
Ausblick
Was folgt, ist ein strategisches und psychologisches Vakuum. Sollte das Ergebnis tatsächlich mit einer derart geringen Differenz zu Gunsten einer Seite ausfallen, wird die gegnerische Fraktion im Landtag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Überprüfung der Wahlunterlagen in jedem einzelnen Wahllokal beantragen. „Das wird dann nicht mehr um Regierungsverantwortung gehen, sondern um die grundsätzliche Frage, ob eine Mehrheit von weniger als 0,1% des Wahlvolkes eine Regierung legitimiert“, so der erwähnte Rechtsexperte.
Die Konsequenzen für Berlin sind absehbar, aber in ihrem Ausmaß unfassbar: Ein knapper grüner Sieg würde die Ampel im Bund kurzfristig stabilisieren, aber die interne Dynamik zwischen SPD, FDP und Grünen durch die veränderte Bundesratsmehrheit neu justieren – und vermutlich verschärfen. Ein ebenso knapper CDU-Sieg hingegen würde nicht nur das erste schwarz-grüne Bündnis auf Landesebene im Süden besiegeln, sondern die Bundes-CDU in einen regelrechten „Hype-Zyklus“ katapultieren, der jegliche inhaltliche Debatte überlagern würde. „Die Republik wird in diesem Fall mindestens zwei Wochen lang nur noch über Ravensburg reden, nicht über Rente oder Verteidigung“, bilanziert ein Berater des Bundespräsidialamtes resigniert. „Und das in einer Zeit, in der wir über alles andere reden müssten.“
Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.