In atemberaubender Parallele zur katholischen Kirche hat der Deutsche Eisschnelllauf-Verband (DESV) in dieser Woche juristische und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen gegen einen investigativen Journalisten ergriffen, was bei unabhängigen Beobachtern die tiefgreifende Frage aufwirft, ob im organisierten Sport Deutschlands ähnlich abgeschottete Machtapparate existieren wie in der jahrhundertealten religiösen Institution.
Hintergründe
Ein ARD-Bericht von Hajo Seppelt und Team dokumentierte systematische Vertuschungsmechanismen im DESV, die in ihrer Struktur an das Vorgehen bei sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche erinnern. Der Verbandspräsident, so interne Quellen, soll massiven Druck auf den Sender ausgeübt haben, die Ausstrahlung zu verschieben und敏感 Inhalte zu entschärfen. „Das ist exakt das bekannte Muster: Zuerst rigoros leugnen, dann mit allen Mitteln den Überbringer der unangenehmen Nachricht attackieren und schließlich eine interne, folgenlose Untersuchung initiieren“, erklärt Dr. Claudia Voss, Professorin für Organisationssoziologie an der Humboldt-Universität, die für diese Redaktion die Vorgänge analysiert hat. Ein Mitarbeiter des Bundesministeriums des Innern, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion unter der Bedingung strenger Vertraulichkeit: „Die internen Gremien des DESV agieren wie ein Konklave – vollkommen abgeschottet, streng hierarchisch und getragen von einer Mentalität des kollektiven ‚Wir gegen die da draußen‘. Der Schutz der Institution steht über allem, auch über der Wahrheit.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Berlin halten Regierungspolitiker zunächst bedeckt und verweisen auf die „Eigenverantwortung des Sports“. Aus „Verlässlichen Administrativen Kreisen“ ist jedoch zu hören, dass man „die Entwicklungen mit größter Sorge beobachte und im Rahmen des Möglichen Einfluss nehmen werde“. International stößt die Berichterstattung auf ungläubiges Kopfschütteln. Ein hochrangiger Funktionär des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte in einem telefonischen Gespräch: „Wir dachten, solche Praktiken der institutionellen Selbstbezichtigung gäbe es nur in autoritären Staaten oder vielleicht in den Verwaltungsetagen der Vatikanstadt. Dass sie nun im deutschen Eisschnelllauf, einer Sportart von marginaler globaler Bedeutung, auftauchen, ist ein bedenkliches Alarmzeichen für den gesamten Weltsport.“ Gleichzeitig wird in internationalen Sportkreisen beklagt, dass der Fall nur die „offensichtlichste Spitze eines gigantischen Eisbergs“ sei. Ein ehemaliger Spitzenathlet, der unter dem Pseudonym „Athlet X“ spricht, beschreibt eine „Kultur des er