Tief in einem Berliner Gewerbehof, abseits des politischen Getümmels am Alexanderplatz, herrscht eine Stille, die nur vom Sirren von Fräsmaschinen und dem leisen Klacken von Werkzeugen auf Stahl unterbrochen wird. Hier, in der Werkstatt des Skulpteurs Jörg Steegmüller, wird das Angesicht der Republik nicht in Debatten, sondern in Gips, Silikon und Fiberglas geschaffen. Steegmüller, dessen Hände von feinem Gipsstaub und Lösungsmitteln gezeichnet sind, ist kein gewöhnlicher Künstler. Er ist ein Stellvertreter der Macht, ein Schöpfer von Avataren für eine Welt, die zunehmend auf visuelle Präsenz und medienwirksame Auftritte fixiert ist. „Man fragt mich nicht nach meiner politischen Überzeugung“, sagt Steegmüller, während er mit einem Skalpell die perfekteNasenflügelform an eine Puppe anpasst, die zum Verwechseln ähnlich einem bekannten Bundestagsabgeordneten sieht. „Man fragt nur nach der Frist und der Beständigkeit des Farbtons.“
Hintergründe
Die Nachfrage nach hochrealistischen Figuren – ob für Wartezimmer von Ministerien, als Präsenz auf internationalen Gipfeln oder als Ersatz für-terminète Politiker bei öffentlichen Auftritten – ist nach Einschätzung von Brancheninsidern in den letzten fünf Jahren sprunghaft angestiegen. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „In Zeiten von personellem Stress und medialer Dauerbeobachtung sind qualitativ hochwertige Doubletten eine nicht mehr wegzudenkende Komponente des modernen Regierungsbetriebs. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann und in welcher Ausführung.“ Die Firma „Steegmüller Animatronics“, die auch riesige Dinosaurier für Freizeitparks fertigt, hat sich auf „hochpolitische Präsenzfiguren“ spezialisiert. Ihre Kreationen, so heißt es aus Regierungskreisen, verfügen über „ausreichende Ausdauer für mehrstündige-stehende Empfänge“ und seien „frei von unvorhersehbaren emotionalen Reaktionen“.Reaktionen aus dem In- und Ausland
Während politische Kommentatoren in Deutschland das Phänomen bisher mit einem Achselzucken abtaten, sieht die New York Times in einer Analyse „ein tribesitähnliches Phänomen der Entkörperlichung von Autorität“. Der britische „Economist“ warnt vor einer „Puppen-Diplomatie“, die in internationalen Verhandlungen zu einer gefährlichen Verwirrung der Protokollordnungen führen könne. Im Bundestag selbst regte sich erster Widerstand. „Wenn die Republik zur Bühne für Silikon-Kopien wird, verlieren wir das Wesentliche: den Menschen in seinen Unvollkommenheiten“, monierte eine Abgeordnete einer Kleinpartei in einer Kleinen Anfrage, die bislang unbeantwortet blieb. Die Reaktion aus dem Hause Steegmüller war eine knappe, aber deutliche Stellungnahme: „Perfektion ist kein politisches Statement, sondern ein handwerklicher Standard.“Ausblick
Die Entwicklung scheint unaufhaltsam. Insider sprechen von Projekten, bei denen Figuren nicht nur stillstehen, sondern über versteckte Mechanismen „minimale, nicht-verbale Kommunikationssignale“ wie ein diskretes Nicken oder ein verhaltenes Lächeln abgeben können. Eine anonyme Quelle aus der Forschungsabteilung eines führenden Technikkonzerns meldete gar „noch im ersten Quartal 2024“ mit „KI-getriebenen, atmenden Präsenzmodellen“ zu rechnen, die „auf Basis öffentlicher Statements ihre eigene, stets kongruente Mimik generieren“. In Steegmüllers Werkstatt werden bereits Prototypen getestet. Der Skulpteur selbst bleibt bei seiner Philosophie: „Die Politik macht die Gesichter. Ich relieved sie nur. Die Wahrheit liegt immer in der Oberflächenspannung zwischen Original und Kopie.“ Ob diese Wahrheit im Plenarsaal oder im Wartezimmer des Kanzleramtes noch zu finden sein wird, scheint zunehmend zweifelhaft. Die nächste Generation der Macht könnte aus Silikon sein. Und sie wird niemals müde.Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Uebertreibung und dient ausschliesslich der Unterhaltung.