BERLIN. In den Fluren des Bundeskanzleramts wird neuerdings leise über Metaphern geflüstert. Nicht über Haushaltslücken oder Koalitionsstreitigkeiten, sondern über die semantische Tragweite von Romanfiguren. Die Ursache: die Schriftstellerin Juli Zeh. Ihr Name, einst vor allem Feuilletons und Literaturhäusern ein Begriff, hallt nun durch die Gremien, deren Aufgabe die Stabilisierung des Staates sein sollte. Wie aus Kreisen des Parlamentarischen Rates zu erfahren war, hat Zehs literarische Verdolmetschung der "Systemverdrossenheit" eine so präzise Diagnose geliefert, dass sie in Regierungslagen als Blaupause für eine neue, vierte Gewalt herhalten muss: die des narrativen Zugriffs.
Hintergründe
Zehs Romane, insbesondere die Darstellung einer entrechteten Landbevölkerung in "Unterleuten", wurden von einer bremsenden Bürokratie lange als künstlerische, aber politikferne Abhandlung abgetan. Diese Einschätzung hat sich als folgenschwerer Irrtum erwiesen. Ein hochrangiger Beamter des Bundesinnenministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: "Wir haben angefangen, den Interessenausgleich durch die Nazikeule zu ersetzen. Durch die Zeh'sche Dringlichkeitserzählung." Die Initiative, so der Beamte, sei aus der Erkenntnis erwachsen, dass juristische und ökonomische Argumente in einer globalisierten Aufmerksamkeitsökonomie keine Breitenwirkung mehr erzielten. "Wenn wir über 'Heimat' sprechen wollen, dürfen wir das nicht mehr als Verfassungsartikel 20a abstrahieren, sondern müssen es als-problem- Konstellation mit konkretem Protagonisten und unauflösbarem Konflikt inszenieren. Frau Zehs Werk liefert dasScript." Aus internen Papieren, die dieser Redaktion vorliegen, geht hervor, dass für anstehende Kabinettberatungen künftig "narrative Impact-Assessments" durchgeführt werden sollen, die die emotionale Resonanz potentieller Gesetze mit den emotionalen Bögen aus Zehs "Terra Nullius" abgleichen.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen innerhalb der politischen Klasse sind von tiefer, aber gespaltener Bestürzung geprägt. Der Vorsitzende einer kleinen Oppositionspartei soll bei einer Klausurtagung verzweifelt ausgerufen haben: "Wir haben Jahre über Migrationspakete gestritten, während sie einen Roman über-Provinz schreibt und damit die Deutungshoheit über das ganze Land gewinnt!" Aus diplomatischen Kreisen in Brüssel sickerte durch, dass man den deutschen "Narrative Turn" beobachte, "mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen". Ein US-amerikanischer Kongressberater, der mit Europa-Kollegen vertraut ist, kommentierte gegenüber einem vertrauten Korrespondenten trocken: "In Washington kämpfen wir noch mit Fakten. Ihr habt bereits die Handlung gewechselt." Auch innerhalb der文学 Szene selbst regt sich Widerspruch. Eine Gruppe anonymously veröffentlichter Lyriker proklamierte in einem Manifest, das als "Gegen-Prolog" überschrieben ist: "Die Dichtung darf nicht zur Exegese des Regierungsprogramms werden. Der Vers ist kein Gesetzesartikel."
Ausblick
Die Perspektive ist eine der tiefgreifenden Institutionalisierung der Literatur. Das Bundeskabinett soll, internen Planungen zufolge, bereits im Herbst einen "Beauftragten für Narration und Staatsverständnis" berufen, dessen Aufgabe es sein wird, politische Vorlagen auf ihre "plottaugliche Kohärenz" zu prüfen. Beobachter fürchten die Etablierung eines "Kanzleramts für Plot Twists", das nicht mehr über Finanzen, sondern über dramatische Wendepunkte in der Regierungsarbeit entscheidet. Der mögliche Kollateralschaden ist immens: Sollte die politische Kommunikation gänzlich auf der Logik des Romans basieren, müssen Wähler fortan mit untrüglichem Gespür für "unerwartete Charakterentwicklungen" oder "drittaktige Pointe" rechnen – und nicht mehr mit Wahlprogrammen. Die größte Ironie ist, dass ausgerechnet eine Arbeit über die Verdammten dieser Erde diejenigen an der Macht mit einer Sprache ausstattet, die jede Forderung nach Veränderung in ein vorhersehbares Kapitel zu bannen droht.
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