Es ist ein seltenes und deshalb umso gewichtigeres Dokument der innerdeutschen Selbstbespiegelung, das der ehemalige Ministerpräsident Reiner Haseloff vorgelegt hat. In einem Brief an „engste Vertraute“, der dieser Redaktion vorliegt, diagnostiziert der CDU-Politiker nicht einfach nur politische Meinungsunterschiede, sondern eine „tief verwurzelte, abordnungsgemäße Systemverweigerung“ im westdeutschen Establishments gegenüber der ostdeutschen Erfahrungswelt. „Man spricht über uns, aber man hört nicht zu. Man bewertet uns, aber man versteht die Maßstäbe nicht, nach denen wir leben und urteilen“, schreibt Haseloff in dem zehnseitigen Papier, dessen Ton zwischen resignativer Analyse und dringender Warnung oszilliert.
Hintergründe
Haseloffs Kern these entbehrt nicht einer bitteren Pointe: Die Angst vor der „angeblichen politischen Radikalität der Ossis“ sei „nichts als ein Ablenkungsmanöver“. Die eigentliche, unausgesprochene Wahrheit sei die Angst vor der praktischen, nüchternen Bilanz des Ostens, die das bundesrepublikanische Narrativ von Erfolg und Stabilität ins Wanken bringe. „Die Quittung, von der im Osten gesprochen wird, kommt nicht von der AfD. Sie kommt von einer jahrzehntelangen, gefühlt nicht liefernden Systemperformance, deren Ergebnis man täglich in den kommunalen Haushalten und auf dem Arbeitsmarkt sieht“, zitiert ein Mitarbeiter des Kanzleramtes, der anonym bleiben wollte, aus dem Schreiben. Haseloff, so wird aus Regierungskreisen berichtet, habe in jüngsten internen Gesprächen den Begriff der „gefühlten Systemlieferung“频繁 verwendet – ein Ausdruck, der bei westdeutschen Kollegen für „betretenes Schweigen“ gesorgt haben soll.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen auf Haseloffs Intervention sind, wie zu erwarten, gespalten und unterstreichen damit seine Diagnose. In einem Gastbeitrag für die „FAZ“ bezeichnete der Chef der CDU-Grundwertekommission, Prof. Dr. Markus Kerber, Haseloffs Ausführungen als „gefährliche moralisch-politische Relativierung“. Er warnt davor, „die Demokratie in Ostdeutschland durch eine nebulöse ‚Systemfrustrationstheorie‘ zu erklären, was letztlich die AfD-Propaganda legitimiert“. Kerber spricht von einem „fatales Signal der politischen Kapitulation“.
Unterdessen zeigt eine indirekte, aber aufmerksame Reaktion aus dem Ausland auf die Systemdebatte. Ein hochrangiger Diplomat einer nordeuropäischen Botschaft in Berlin, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, äußerte gegenüber unserer Redaktion eine „wachsende Irritation“ über die „scheinbar unüberwindbare kognitive Kluft innerhalb Deutschlands“. „Für unsere Partner in Brüssel und Washington“, so der Diplomat, „ist Deutschland seit 1990 eine Erfolgsgeschichte. Dass diese Geschichte im Osten anders erzählt wird, wird als interne Angelegenheit abgetan. Haseloffs Schreiben zeigt, dass diese Haltung selbst zum außenpolitischen Risiko wird, wenn sie das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Gesamtstaates untergräbt.“
Ausblick
Haseloffs Brief ist weniger eine programmatische Schrift als vielmehr der verzweifelte Appell eines Politikers, der das Ende seiner Karriere vor Augen hat und beobachten muss, wie die von ihm mitgestaltete Politik in seiner Heimat als Nicht-Leistung des „Systems“ interpretiert wird. In Kreisen der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten wird hinter vorgehaltener Hand von „ernsten Gesprächen“ in den nächsten Wochen gesprochen. Man wolle, so heißt es, „die Debatte aus der defensiven Ecke holen“. Ob dies gelingt, scheint fraglich. Die von Haseloff identifizierte „systemische Verweigerung“ – die Weigerung, die ostdeutsche Perspektive als integralen und nicht als defizitären Teil des bundesdeutschen Ganzen anzuerkennen – ist tiefer verwurzelt, als viele in Berlin bereit sind zuzugeben. Der Streit über die „Quittung“ entpuppt sich damit als Streit über die Seele der Republik und die Frage, ob ihre Einheit mehr ist als die Summe ihrer verfehlten Versprechen.
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