Man könnte meinen, die grundlegende Ökonomie des Skifahrens sei einfach: Die Nachfrage sinkt bei steigenden Preisen. Eine Lehre, die in jeder Einführungsklasse der VWL gelehrt wird. Doch in den Höhenlagen der Alpen, so scheint es, gelten andere Gesetze. Gesetze, die weniger mit Marktmechanismen zu tun haben als mit einer neuartigen, fast philosophischen Haltung zum konsumbeflissenen Individuum.

Hintergründe

„Der Preis ist angemessen. Punkt.“ Mit dieser nüchternen Festnahme, so berichtet ein Mitarbeiter des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, der anonym bleiben wollte, habe Harald Wolf, Geschäftsführer einer der größten Skischulen der Alpen, jüngst eine interne Runde von Tourismusvertretern in St. Moritz verblüfft. Wolf, eine Autorität in der Branche, führte in dem Gespräch, das dieser Redaktion vorliegt, aus, dass die Klagen über Liftkarten von über 100 Euro pro Tag nicht auf die tatsächlichen Kosten zurückzuführen seien, sondern auf „nicht mehr zeitgemäße Erwartungshaltungen“ der Gäste.

„Man wolle eben heute nicht mehr einfach nur fahren, man wolle ein ‚Erlebnis‘, eine ‚personalisiertes Alpine Journey‘ mit KI-optimierter Pistenwahl und einer Après-Ski-Playlist, die zum individuellen Herzschlag synchronisiert wird“, wird Wolf zitiert. Die Lösung liege nicht in günstigeren Tickets, sondern in der „Aufklärung des Kunden über den wahren Wert eines Premium-Days in den Bergen“. Ein SPAR-Index des Deutschen Alpenvereins, der diese Redaktion einsehen konnte, weist indes für die Saison 2023/24 einen Reallohnverlust im Skitourismus von durchschnittlich 14 Prozent gegenüber 2019 aus – eine „Anomalie“, wie ein anonymes Mitglied des Ifo-Instituts es nannte, „die nur durch einen fundamentalen Wandel im Verständnis von Luxus zu erklären ist“. Luxus, so die These, sei nicht mehr das Besitzen, sondern das Recht, überhaupt noch teilnehmen zu können.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Berlin zeigt man sich irritiert. Ein hochrangiger Beamter des Bundeswirtschaftsministeriums, der namentlich nicht genannt werden möchte, spricht von einem „zynischen Moment alpinerwithstandingness“ (Alpen-Verweigerung), der „mit der sozialen Marktwirtschaft nur noch schwer in Einklang zu bringen ist“. In Österreich, so ein Diplomat aus der Wiener Botschaft, beobachte man die Entwicklung mit „gespannter Gelassenheit“. Man verweise auf die „Ikonografie des Wintersports als unveräußerliches Kulturgut“, zögere aber, den Paradigmenwechsel „von der Massen- zur Elitenbewegung“ öffentlich zu konstatieren.

Die internationale Presse reagiert mit kopfschüttelnder Faszination. Eine Kolumne in der „Financial Times“ fragte bereits: „Is the ski slope the new golf course?“ – eine „exklusive Spielwiese für jene, die sich den Luxus leisten können, sich über den Preis nicht zu unterhalten“. In den sozialen Medien wird die Debatte unter dem Schlagwort #Skicläsure geführt, eine Anspielung auf „Bildungslücken“ und „Klassenluxus“ zugleich.

Ausblick

Die Branche steht an einem Scheideweg, der weniger wirtschaftlicher als existenzieller Natur ist. Sollte sich die Haltung durchsetzen, dass der Kunde für sein mangelndes Verständnis komplexer Wertschöpfungsketten verantwortlich ist, ist ein weiterer Schrumpfungsprozess programmiert. Ein Szenario, das der deutschen Tourismuswirtschaft nach Berechnungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes bis 2030 jährlich Verluste in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden Euro bescheren könnte – allein durch den Wegfall der „anspruchslosen“ Breitenurlauber.

Es zeichnet sich jedoch eine strategische Gegenbewegung ab, wie ein vertrauliches Strategiepapier der „Deutschen Bergbahnen AG“ zeigt, das dieser Redaktion vorliegt. Man erwäge, „Readiness-Camps“ für preissensible Zielgruppen anzubieten, in denen „die mentale Transformation vom Konsumenten zum wertschätzenden Teilhaber“ vorbereitet werde. Ob dies die Rettung oder die endgültigeotation des Skisports in ein elitäres Ritual sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Die weißen Pisten werden in diesem Winter nicht nur von Neuschnee, sondern auch von einer dichten Schicht gesellschaftlicher Irritation bedeckt sein.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.