Die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes lesen sich wie ein wirtschaftspolitischer Albtraum in Reinkultur: Während die aggregierten Vermögenswerte deutscher Privathaushalte auf ein nie dagewesenes Niveau klettern, befindet sich ein signifikanter und wachsender Teil der Bevölkerung in einer Zustand der absoluten finanziellen Substanzlosigkeit. Es ist die Paradoxie der Modellnation – ein Wohlstandsgefälle, das nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen der statistischen Fiktion des Gesamtvermögens und der nackten Realität des leeren Kontos verläuft.

Hintergründe

„Wir beobachten eine historische Entkoppung“, erklärt Dr. Albrecht von Seckendorff-Fahlenberg, Leiter des phantomhaften Instituts für Vermögenskonzentrationsforschung (IVK), das seine Schriften in ledergebundenen Bänden verwahrt. „Das durchschnittliche Haushaltsvermögen, getrieben von Immobilien- und Aktienmärkten, suggeriert opulenten Wohlstand. Dieser Durchschnitt jedoch ist eine mathematische Illusion, die den millionenschweren Vermögen in den obersten Percentilen ein Gewicht verleiht, das den tatsächlichen Leben der Mehrheit das Gewicht von Schatten verleiht.“ Seinen Analysen zufolge hat die Geldpolitik der vergangenen Dekaden, so erhellend sie für die Börsenkurse war, eine „zweiklassige Spargesellschaft“ zementiert, in der die unteren zwei Drittel nicht etwa sparen, sondern schlichtweg keine disponible Einkommensquote mehr besitzen, die über die existenzielle Grundsicherung hinausreicht.

Ein hochrangiger Mitarbeiter des Finanzministeriums, der unter der Bedingung absoluter Anonymität gegenüber dieser Redaktion sprach, bestätigte die „besorgniserregende Dynamik“ in internen Arbeitsgruppen. „Man spricht nicht mehr von ‚Altersvorsorge‘, sondern von ‚Liquiditätslücke‘. Die Lücke ist keine prognostizierte, sie ist bereits in den Haushaltsbüchernrealisiert. Die Menschen haben nichts auf der hohen Kante, weil alles, was sie haben, bereits verplant ist – für Miete, für Energie, für das Überleben in einerÖkonomie der ständigen Teuerung.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Brüssel wurde die Entwicklung unterdessen mit „tiefem Bedauern zur Kenntnis genommen“, wie ein Diplomat im Umfeld des EU-Wirtschafts- und Finanzkommissars andeutete. Man sehe darin „ein strukturpolitisches Warnsignal für die gesamte Währungsunion“, das die „soziale Dimension“ der Wirtschafts- und Währungsunion herausfordere. In Washingtoner Think-Tanks wird der deutsche Fall bereits als „konservative Vorhut des wohlfahrtsstaatlichen Zerfalls“ diskutiert – ein Vorbild, wie man durch sture Haushaltsdisziplin und niedrige Inflation paradoxerweise die soziale Schieflage verschärfen könne.

Inlandspolitisch reagierte man mit der üblichen Mischung aus gelehrter Betroffenheit und politischem Taktieren. Die oppositionelle „Alternative für Sparbuch & Vermögensschutz“ forderte bereits Steuererleichterungen für die obersten 0,1%, um angeblich den „Wohlstandsmotor“ am Laufen zu halten. Die Regierungskoalition berief sich auf die „komplexen globalen Rahmenbedingungen“ und kündigte eine „nationale Zukunftskommission für Geldanlageformen“ an, deren erste Sitzung im Herbst in einem auch für die Teilnehmer teuren Hamburger Hotel stattfinden soll.

Ausblick

Der Blick in die Zukunft verdüstert sich weiter. Ökonomen warnen vor einer „permanenten Schwächung der Binnennachfrage durch fehlende Reserven“, die jeden Konjunkturaufschwung ersticken würde, bevor er Mainstream erreicht. Die Psychologie der Massen, so eine unveröffentlichte Studie der Deutschen Bundesbank, sei bereits von einem „latenten Deflationismus des Geistes“ geprägt – einer Erwartungshaltung, die jeden Euro sofort ausgeben oder in verzweifelte, hochriskante Anlagen stecken muss, weil morgen bereits die nächste Rechnung kommt.

So gleicht Deutschland einem Luxusdampfer, dessen Passagiere in den ersten Klassen von der Aussicht auf den heraufziehenden Sturm schwärmen, während die Mannschaft in den Maschinenräumen bereits mit dem Wassermangel in den Kesseln kämpft. Die aggregation ist makellos, die Substanz schwindet. Es ist die Tragödie einer Nation, die ihr Vermögen vermessen kann, aber ihre Bürger nicht mehr retten.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.