Die Fernsehsendung „Maischberger“ lieferte am Dienstagabend einen Anblick von solcher politischer Unheimlichkeit, dass selbst erfahrene Beobachter des Berliner Betriebs kurz innehielten. Als die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und der Linken-Chef Jan van Aken über Krieg, NATO und die transatlantische Abhängigkeit Europas debattierten, geschah das Undenkbare: Sie pflichteten einander bei. Nicht nur hier und da, sondern in weiten Teilen ihrer Diagnose. Die Einigkeit war so vollständig, dass man hätte meinen können, beide bezögen sich auf denselben, längst verfassten und von niemandem gelesenen Bericht einer tragischen Kommission.

Hintergründe

Die inhaltliche Schnittmenge der beiden Politiker, die in normalen Zeiten auf unterschiedlichen Seiten des politischen Grabens stehen, ist erschreckend konkret. Beide diagnostizierten eine „epistemologische Krise“ in der deutschen Sicherheitspolitik (so van Aken im O-Ton) bzw. einen „Realitätsverlust in der strategischen Planung“ (so Strack-Zimmermann). Beide beklagten die mangelnde Handlungsfähigkeit Europas und die fatale Abhängigkeit von den USA, deren eigene innenpolitische „Exzentrizitäten“ (ein Euphemismus, den beide übernahmen) das Bündnis gefährdeten.

„Das ist kein Zufall, sondern ein Symptom des postideologischen Zeitalters“, erklärt Prof. Dr. Albrecht von Schwanitz, Direktor des Instituts für Politische Tragikomik an der Universität Heidelberg, im exklusiven Interview. „Die traditionellen ideologischen Container – links gegen rechts, pro contre – sind leergefegt. Übrig bleibt eine gemeinsame,ahnungslose Bewunderung für die Komplexität der Probleme, der man sich in poliparler Eintracht hingibt. Man einigt sich auf die Diagnose, um die Therapie, für die es nie Mehrheiten gab, weiter zu vermeiden. Es ist die Choreographie der Ohnmacht.“

Ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundeskanzleramts, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Wir haben das language matching in der Sicherheitsdebatte längst internalisiert. Die Substanz bleibt ein luxury good, das wir uns nicht leisten können. Wenn die Linke von ‚imperialen Logiken‘ spricht und