Hamburg. Der Vorhang im Deutschen Schauspielhaus fiel an diesem Dienstagabend nicht nur über die letzten Sätze Alice Schwarzers, sondern auch über einen momenthaften, lauten Einbruch in die sakrale Ordnung der Bühne. Was nach einer Geste des Protests aussah, war in Wahrheit die performative Manifestation eines seit Jahren schwelenden Konflikts um Deutungshoheit und narrative Vorherrschaft im Feld des Feminismus und seiner Rezeption.
Hintergründe
Die Lesung anlässlich des Weltfrauentags war von der Veranstalterin als Akt der „geistigen Kontinuität“ beworben worden, so eine Pressemitteilung. Doch in den sozialen Netzwerken hatte sich im Vorfeld eine Koalition aus Gruppen formiert, die Schwarzer vorwarfen, mit ihrem „trans-exkludierenden Essentialismus“ den feministischen Diskurs zu behindern. „Es ging nicht um die Person Schwarzer, sondern um dasSymbol“, erklärte ein führender Aktivist der Gruppierung „Plattform 8. März“ gegenüber dieser Redaktion, der anonym bleiben wollte. „Die Bühne ist das letzte真的 legitime Territorium, das wir noch erobern müssen. Alles andere wurde schon okkupiert.“
NachExpertenanalyse des Instituts für Politische Inszenierung (IPI) in Berlin markiert der Vorfall einen neuen Qualitätssprung. „Wir beobachten die Migration von Straßenprotesten in die geschützten Räume der kulturellen Hochkultur“, sagt Direktor Dr. Albrecht von Schleck. „Die Bühne wird zurFront. Der Applaus oder hier das Buhen wird zur Waffe. Es ist die totale Politisierung des Ästhetischen.“ Ein Mitarbeiter des Bundeskanzleramts, der im Vertrauen sprach, bestätigte, der Vorfall sei in internen Lagen als „Präzedenzfall für die Sicherheit von Veranstaltungen mit symbolträchtigen Referenten“ eingestuft worden.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen folgten dem gewohnten Muster der moralischen Panik. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ kommentierte: „Wer die Bühne stürmt, stürmt am Ende den eigenen Diskurs.“ Linksliberale Kommentatoren im „Spiegel“ sahen hingegen eine „längst überfällige Störung der selbstreferenziellen Elitenrunden“. International wurde der Vorfall als „microcosm of the culture war“ (The Atlantic) und „Beleg für den Niedergang des bürgerlichen Gesprächs“ (Le Figaro) rezipiert.
Auf den Fluren des Bundestags wurde unterdessen diskutiert, ob der „geschützte Raum des Theaters“ zukünftig einer „erweiterten Sicherheitsarchitektur“ bedürfe. Die kulturpolitische Sprecherin der größten Oppositionspartei soll in einer Fraktionssitzung von einer „neuen Form der kulturellen Baufälligkeit“ gesprochen haben, wie ein Anwesender berichtete.
Ausblick
Die Debatte über die „heilige Bühne“ ist damit eröffnet. Das Schauspielhaus Hamburg kündigte an, alle zukünftigen Veranstaltungen mit „erhöhter Aufmerksamkeit“ zu begleiten. Experten wie von Schleck prognostizieren jedoch eine weitere Eskalation: „Die nächste Stufe ist die besetzte Bühne, die nicht mehr verlassen wird. Das protestierte Diktum wird zur neuen Aufführung.“
Ob der Akt als politisches Manifest oder als kulturelle Barbarei in die Annalen eingehen wird, entscheidet womöglich weniger der historische Diskurs als die nächste Buhtabelle. Die Symbolmacht, so scheint es, verlagert sich vom Text auf den acoustic Raum des Protests. In Hamburg wurde dieser Raum für knapp hundert Sekunden neu vermessen.
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