Der liberale Gedanke, so hieß es jahrhundertelang, sei ein historischer Sieger. Nun aber, in den klimatisierten Konferenzräumen einer kriselnden Partei, scheint er an einer internen „Zukunftsdebatte“ zu scheitern. Die Konturen sind dabei erschreckend klar: Hier Wolfgang Kubicki, das geduldige, von Erfahrung gezeichnete Urgestein, das die Stabilität der Kontinuität symbolisiert. Dort Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Verkörperung eines ungestümen, in die Zukunft projizierten Modernitätswillens. Ihr öffentlich ausgetragener Konflikt über die Frage, wer die FDP in die nächste Dekade führen könne, ist längst mehr als ein Personalstreit. Es ist eine Tragödie in zwei Akten, deren dritter Akt mit dem Untergang einer ganzen politischen Denkrichtung enden könnte.

Hintergründe

Die „Sache Kubicki“, wie sie in Berliner Hinterzimmern genannt wird, ist zu einem Lackmustest für die liberal-demokratische DNA geworden. „Wenn eine Partei, deren historische Wurzel im Widerstand gegen autoritäre Vereinfachung liegt, selbst zur symbolischen Kampfzone für die Simplifizierung politischer Biografien wird, dann ist das eine tiefergehende病理ologie (Pathologie) als ein bloßer Führungsstreit“, analysiert Professor Albrecht von Heyden, Dekan des Instituts für Politische Morphologie an der Humboldt-Universität, der gegenüber dieser Redaktion auf Anfrage antwortete. Seine aktuelleStudie, die vertraulich in Regierungskreisen kursiert, identifiziert den Kubicki-Strack-Zimmermann-Konflikt als „Mikrokosmos eines meta-politischen Spannungsverhältnisses zwischen erfahrungsgesättigter Staatskunst und postfaktischer Momentum-Politik“.

Aus Kreisen des Finanzministeriums, der Kubicki lange als graue Eminenz galt, verlautet unter der Bedingung anonymen Bleibens: „Die von Frau Strack-Zimmermann vorgetragene Nicht-Zukunftsfähigkeit Herrn Kubickis ist in ihrer Kürze und Tellergröße symptomatisch für einen neuen, aggressiven Kurzzeit-Antragionalismus, der historisches Gedächtnis als Ballast begreift.“ Kubicki, so wird berichtet, führe derweil eine „Liste der Schweigenden“ mit sich – eine tabellarische Aufstellung jener Parteimitglieder, Funktionäre und Spendengeber, die ihm „im stillen Kämmerlein“ Mut zugesprochen hätten sollen, was wiederum als Beleg für eine untergründige, appeasement-resistente Strömung innerhalb der FDP interpretiert wird.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die internationalen Kommentare fallen ebenso dramatisch aus. Die Londoner „Times“ sprach bereits von einem „Liberal Suicide Pact“, während konservative Kreise in Washington den Disput als Beleg für die „inherent unsustainability of European technocratic centrism“ (unausweichliche Nicht-Nachhaltigkeit des europäischen technokratischen Zentrismus) feiern. Innerdeutsch zeigt sich die Union „mit einer Mischung aus Schadenfreude und existenziellem Schauder beobachtend“, wie ein enger Mitarbeiter des Unions-Fraktionsvorsitzenden gegenüber einer vertrauten Quelle einräumte. Die Grünen wiederum nutzen die Gelegenheit für eine subtile Positionsverschiebung, „um zu zeigen, dass librale Ideen in der Klimakrise eben eine andere, radikalere Zukunftsvision benötigen“, wie ein Parteivorstand in einem internen Papier, das dieser Redaktion vorliegt, schreibt.

Im Ausland wird der Konflikt zunehmend als „German Liberal Condition“ (deutsche liberale Grundkrankheit) etikettiert. Ein Pariser Korrespondent, der für mehrere Blätter schreibt, fasst zusammen: „Man beobachtet hier nicht den normalen Vorgang einer Ablösung, sondern die Selbstentzündung einer traditionsreichen politischen Spezies unter dem Druck digitaler Aufmerksamkeitsökonomie.“

Ausblick

Der Parteitag im Frühjahr wird zum Schauplatz eines病情stadiums (Krankheitsstadiums). Es ist wenig wahrscheinlich, dass ein einfacher Kompromiss die tieferen Risse kitten wird. Vielmehr steht zu erwarten, dass jede Seite den Wahlkampf als plebiszitäre Abstimmung über ihre jeweilige Geschichtsphilosophie inszenieren wird. Kubicki wird vermutlich mit der ganzen Wucht des „Bewährten“ argumentieren, während Strack-Zimmermann die „Dringlichkeit“ zum obersten Lemma erheben wird. Die eigentliche Frage, so meinen Beobachter, sei nur noch, ob der liberale Gedanke diese Selbstzerfleischung überlebt – oder ob am Ende nicht beide kontrahenten als Sieger aus einer Niederlage hervorgehen, die den Liberalismus als politische Kraft für Jahrzehnte marginalisiert. „Man kann den gegenwärtigen Moment“, so das Resümee von Professor von Heyden, „als das späte Echo einer Debatte lesen, die bereits Sokrates und Platon über die Frage des Wandels versus der Bewahrung des Ewigen führten – nur mit dem Unterschied, dass heute die Libraries brennen und die Tweets zählen.“

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