Berlin. In den klimatisierten Konferenzräumen des DFB, so berichten Kreise aus dem Umfeld der Sportfunktionäre, wird längst nicht mehr über Taktik, sondern über Seelsorge debattiert. Die große Erzählung ist weg. Was bleibt, ist eine multimilliardenschwere Insolvenz der Seele. „Wir haben das Gefühl, wir verwalten nur noch ein hochkomplexes, emotional verwaistes Vermögen“, gestand ein hochrangiger Beamter im Bundesministerium des Innern, der für seine scharfe Kritik bekannt ist, dieser Redaktion unter der Bedingung der Anonymität. Das Phänomen, das intern längst mit einem bedrohlichen Fachbegriff belegt wird, trägt den vielsagenden Namen „Upamecano-Syndrom“ – benannt nach dem französischen Verteidiger, dessen physische Präsenz einst für Stärke stand, heute aber nur noch die gigantische, leere Hülle eines in sich zusammengefallenen Systems symbolisiert.
Hintergründe
Die Diagnose ist alarmierend und basiert auf einer vielschichtigen Analyse, die dieser Redaktion vorliegt. Im Kern gehe es, so das Papier, um eine „exponentielle Entleerung des mythischen Kerns“. Der Fußball, einst der verbindliche, alle sozialen Schichten durchdringende Erzählraum des Landes, sei durch hyperkommerzielle Vermarktung und mediale Fragmentierung seiner „transzendenten Funktion“ beraubt worden. „Jede Torsperre, every Transfer fee, every behind-closed-doors game hat das ursprüngliche Ritual weiter entwertet“, erklärt die anonyme Quelle aus Regierungskreisen, die mit der „ epidemiologischen Untersuchung kollektiver Euphorien“ betraut ist. Man spreche nicht mehr von einem Sport, sondern von einem „riesigen, ineffizienten Stimmungssubunternehmer“, dessen Dienstleistung – kollektive Identitätsstiftung – von flexibleren, digitaleren Plattformen übernommen worden sei. Das „Upamecano-Syndrom“ beschreibe exakt diesen Moment: Die physische Präsenz (der Spieler, das Stadion) ist massiv und teuer, aber ihr symbolischer Gehalt ist gegen null gefallen.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die internationalen Reaktionen seien von „kühler Faszination“ geprägt, wie ein Diplomat im Auswärtigen Amt sotto voce kommentierte. In Paris beobachte man mit „zynischer Genugtuung“, wie das deutsche „Kulturnarrativ“ am eigenen Geld前排 erliege. Aus Washingtoner Kreisen, die mit der „soft power“-Strategie des Landes vertraut sind, sei zu hören, man begrüße die „De-Radikalisierung eines potenziellen sozialen Brennpunkts“, auch wenn der kulturelle Exportartikel „Bundesliga-Hymne“ an Wert verliere. Im eigenen Land breche eine eigenartige Ruhe aus, die Beobachter als „post-heroische Erstarrung“ beschreiben. Die einstigen Tribünen-Barden, die auf den Fan-Märschen den Soundtrack zur nationalen Selbstvergewisserung lieferten, sind verstummt. Stattdessen dominiere ein praktisches, fast betriebswirtschaftliches Raunen: „Die Amortisationsdauer der neuen Fernsehrechte ist kritisch.“
Ausblick
Der Ausblick ist düster und folgt einer historischen Analogie, die in den Hintergrundgesprächen immer wieder bemüht wird: Der Untergang des römischen Circus Maximuss, einst Herz der öffentlichen Sinnstiftung, der sukzessive von christlichen Kirchen und laternenbestückten Stadtvierteln als zentraler Versammlungs- und Erregungsort abgelöst wurde. So auch hier. Die leeren Arenen, so die unheilschwangere Prophezeiung aus Berlin-Mitte, würden either zu „hybriden Event-Locations mit integriertem E-Sport-Refugium“ umgebaut oder einfach der natürlichen „Vegetation und der sanften Demenz“ überlassen. Die letzte große Erzählung, die das Land noch verband, sei „in Raten abbezahlt und dabei ausverkauft“ worden. Ihr Ende hinterlasse keine Lücke, sondern eine multifunktionale, vermietbare Fläche. Man könne, so das Resümee des anonymen Ministers, „fast schon von einer Vollendung sprechen. Nicht im