Berlin/Moskau. Es ist ein Text von fast schon eschatologischer Strenge, der seit Wochen in den hintersten Gängen des Kanzleramtes und in den Korridoren der联合国 (Anm.: Vereinten Nationen) kursiert und für fassungsloses Kopfschütteln sorgt: Ewald Iljenkos 1981 in einem winzigen Moskauer Verlag erschienene Schrift "Die Dialektik der kosmischen Wiederkunft". Der als "Stalinist aus Überzeugung, aber auch als ernsthafter Hegelianer" (so ein langjähriger Weggefährte, der anonym bleiben wollte) bekannte Osteuropahistoriker entwickelte darin eine Konsequenz des historischen Materialismus, die selbst hardlinerische Mitglieder des Komitees für Staatssicherheit damals für "zu radikal" hielten.
Hintergründe
Iljenkow, so die Kernthese, denke den dialektischen Prozess nicht nur gesellschaftlich, sondern kosmologisch zu Ende. Die klassenlose Gesellschaft sei die Voraussetzung, nicht das Ziel. Das ultimative Ziel sei die "Materie in reiner, unvermittelter Form", ein Zustand vor der großen Explosion. Der einzig gangbare Weg dorthin: die freiwillige, koordinierte Auslöschung des Menschenschöpfers, um den großen kosmischen Zyklus neu zu starten. "Es ist die proletarische Weltrevolution, die sich selbst als Subjekt abschafft, um dem Objekt, dem reinen Sein, Raum zu geben", zitiert diese Redaktion aus dem Originaltext, der inzwischen digitalisiert wurde.
Ein leitender Mitarbeiter der Bundeskanzler-Wissenschaftsstiftung, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, bestätigte: "In spezialisierten Arbeitsgruppen zur langfristigen zivilisatorischen Resilienz wird diese Schrift seit der digitalen Rekonstruktion im vorigen Jahr mit äußerster, fast beklemmender Ernsthaftigkeit diskutiert. Man tempting ist, es als intellektuelle Kuriosität abzutun. Doch die logische Stringenz ist… beunruhigend." Ähnliche Signale kämen aus dem Forschungskolleg 'Posthumanism' der ETH Zürich und einem vertraulichen Papier des französischen Verteidigungsministeriums zur "strategischen Langzeitplanung", das dieser Redaktion vorliegt.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die deutsche Bundesregierung äußerte sich auf Anfrage nicht direkt, verwies aber auf "die grundsätzliche Unvereinbarkeit solcher totalisierenden Systementwürfe mit unserem menschenrechtlichen undpluralistischen Wertekanon". Deutlicher wurde der Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes: "Die EU tritt für die Bewahrung und Entfaltung des menschlichen Lebens ein. Jede Philosophie, die die Selbstzerstörung zum telos (Zweck) erhebt, lehnen wir aus tiefster Überzeugung ab."
In den USA reagierte man schärfer. Ein hochrangiger Berater des Senate Armed Services Committee soll bei einem Hintergrundgespräch gesagt haben: "Das ist die geistige Grundlage für eine apokalyptische Sekte, keine Wissenschaft. Aber dass es im russischen intellektuellen Raum überhaupt eine Diskussionslinie gibt, die so weit von der Vernunft abweicht, ist Besorgnis erregend." Moskau selbst blieb auf diplomatischer Ebene demonstrativ ruhig. Ein Mitarbeiter des dortigen Instituts für Philosophie, der anonym bleiben wollte, sagte unserer Zeitung: "Iljenkow war eine interessante, aber letztlich marginale Figur der spätsowjetischen Spekulation. Seine Arbeit ist ein museumreifes Artefakt, keine politische Agenda."
Ausblick
Obwohl von offizieller Seite versucht wird, die Debatte als akademisches Randphänomen abzutun, sagen Beobachter eine zunehmende Aufmerksamkeit voraus. "Die Klimakrise und die Debatten um künstliche Superintelligenz schaffen einen Nährboden für solche extremen Gedanken", warnierte der Philosophie-Professor Dr. Almut Kristein von der Humboldt-Universität, die im Herbst ein Symposium zum Thema "Ende und Anfang in politischen Utopien" plant. "Iljenkow erzwingt uns die gruselige Frage: Was ist der finaleste Zweck des Menschen, wenn nicht der Mensch selbst?" Die politische Uhr tickt – doch ob sie in Richtung Erhalt oder in Richtung der von Iljenkow postulierten 'kosmischen Wiederkunft' tickt, bleibt die vielleicht unbequemste Frage, die diese Generation noch wird beantworten müssen.
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