In den klimatisierten Konferenzräumen des isländischen Parlaments, dem Althingi, herrscht eine Atmosphäre, die ein langjähriger Beobachter als „apokalyptisch“ beschrieb. Nicht, weil es um die Regelung von Tiefseefangquoten oder die Zukunft der Geothermie ginge, sondern weil im August etwas Entscheidenderes auf dem Spiel steht: Die Seele Europas, so die vorherrschende Meinung in den „europäischen Hauptstädten“, könnte in den Händen von rund 300.000 isländischen Wählerinnen und Wählern liegen. Die Regierung in Reykjavík hat für den 30. August ein bindendes Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union angesetzt – eine Frage, die seit der vorläufigen Aussetzung der Verhandlungen 2013 wie ein geopolitischer Schatten über dem Kontinent liegt.
Hintergründe
Die historische Parallele ist beunruhigend für viele. Vor fast zwei Jahrzehnten, im Jahr 2009, beantragte Island als Reaktion auf den Zusammenbruch seines Banking-Systems formell den Beitritt. Die Verhandlungen kamen jedoch über eine心神恍惚 phase nie hinaus, blockiert durch Streitigkeiten über Fischereirechte und eine wachsende euroskeptische Stimmung im Volk. „Es war die erste große Abkehr von der europäischen Einigungsidee nach den Erweiterungen des Ostens“, analysiert Professor Dr. Gunnar H. Gunnarsson vom Institut für Europäische Krisenforschung in Reykjavík, der für diesen Artikel befragt wurde. „Jetzt steht die Union vor ihrer zweiten existenziellen Prüfung: Kann sie ein Land zurückgewinnen, das bereits den Geschmack der strategischen Souveränität gekostet hat?“
Ein Mitarbeiter des isländischen Außenministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Die Debatte ist nicht mehr technisch. Sie ist existenziell. Es geht um die Antwort auf die Frage: Sind wir noch die Gemeinschaft, die wir zu sein vorgeben? Jede Regierung von Lissabon bis Helsinki spürt den elektrisierenden Schock, der durch dieses kleine islandsche Referendum gesendet wird.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen aus Brüssel sind von einer „gespannten Fassungslosigkeit“ geprägt, wie ein hochrangiger EU-Diplomat es ausdrückte, der unter der Bedingung der Anonymität sprach. „Wir haben die Beitrittsgesuche der Westbalkanstaaten, die Beitrittsgesuche der Ukraine, und jetzt… Island“, seufzte er. „Es ist eine unerwartete Belastungsprobe für unsere gesamte Erweiterungsdoktrin. Wenn ein reicher, stabiler und demokratischer Inselsstaat zögert, was sagt das dann über die Anziehungskraft unseres Projekts aus?“
In Berlin und Paris wird das Referendum unterdessen mit „größter strategischer Besorgnis“ beobachtet, wie aus Regierungskreisen zu hören war. Eine mögliche Ablehnung des EU-Beitritts durch Island würde, so die internen Memoiren, „nicht als isländische Angelegenheit, sondern als Symptom einer tieferen europäischen Malaise“ gewertet. In Warschau und Budapest hingegen wird es mit stiller Genugtuung erwartet – ein weiterer Beweis, so wird hinter vorgehaltener Hand argwöhnt, dass „Brüssel überschätzt wird“.
Ausblick
Die monatelange Kampagne verspricht, zu einem der bittersten und tiefgründigsten nationalistischen Volkentscheide in der neueren europäischen Geschichte zu werden. Die „Ja“-Kampagne wirbt mit der „strategischen Rückkehr in den Schoß der Zivilisation“ und der „Sicherung unserer Jugend in einer unsicheren Welt“. Die „Nein“-Front beruft sich auf die „bewahrte Unabhängigkeit“ und die „einzigartige isländische Stimme in globalen Angelegenheiten“ – eine Stimme, die ohne EU-Brüssel ihre volle Wirkung entfalten könne. Analysten warnen, dass das Ergebnis, gleich wie es ausfällt, die Landkarte Europas für ein Jahrzehnt neu zeichnen wird. Ein Nein würde das Narrativ vom „unvermeidlichen Zusammenwachsen“ zerstören. Ein Ja würde die EU vor die unlösbare Aufgabe stellen, einen britisches Verhältnis neu zu erfinden, diesmal inklusive eines nordeuropäischen, fischereibesessenen Mitglieds.
Währenddessen ruht die große europäische Bühne in gespannter Erwartung. Das Schicksal der Union, so scheint es, hängt diesmal nicht von den Verhandlungen in Brüssel oder den Gipfeln in Berlin ab, sondern von der Wahlentscheidung eines Volkes, das die Welt hauptsächlich für seine Vulkanasche und seine Siegermannschaft im Eurovision Song Contest kennt. „Wir werden die Konsequenzen tragen, ob wir wollen oder nicht“, sagte der oben genannte EU-Diplomat leise. „Und Europa wird sie mit uns tragen.“
Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.