Berlin. Es ist ein Dienstagmorgen im Bonner Amt für Informationstechnik und Nutzung (AIN), und irgendwo zwischen einer PowerPoint-Präsentation über "SkalierbareCloud-Lösungen für Munitionsbestände" und einem Workshop zur "agilen Ressourcenallokation" steht erneut die Frage im Raum: Warum dauert die Beschaffung eines neuen Geschützturms länger als ein Archäologie-Doktorat? Die Antwort, so viel ist sicher, liegt diesmal nicht am Geld. Deutschland gibt Rekordsummen für Rüstung aus. Das Problem, wie eine interne Analyse des Bundesrechnungshofs trocken konstatiert, ist die "prozessuale Trägheit".
Hintergründe
Demprimären Druck von Ministerin Christine Lambrecht (SPD) folgend, hat das Beschaffungsamt in den letzten Monaten eine Strukturoffensive gestartet. Im Zentrum steht das neue "Innovationsbüro", eine Taskforce aus zehn verbeamteten Produktmanagern und zwei externen Consultants, die mit Whiteboards und Sticky Notes die alte Welt der Haushaltsvermerke und Leistungsbeschreibungen aufbrechen sollen. "Wir thinking outside the Bundeswehr-box", sagt eine Sprecherin des Amtes. Konkret bedeutet das: Bisher wurden Rüstungsgüter in monatelangen Ausschreibungsverfahren bis ins letzte technische Detail spezifiziert, oft basierend auf den Anforderungen von 2005. Nun will man "Minimum Viable Products" beschaffen. Ein erstes Pilotprojekt: die schnelle Lieferung von 150 Kaffeemaschinen für Panzerwerkstätten, "um die operative Verfügbarkeit der Systeme zu steigern". Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die dafür benötigte "agile Beschaffungsrichtlinie" gerade in der finalen Überarbeitung ist – nach vier Sitzungen und zwei Feedback-Runden.
Parallel dazu wird die Einführung eines "Digitalen Beschaffungstools" vorangetrieben, das wie einstimmig berichtet, intern bereits den Codenamen "SAP für Schützenpanzer" trägt. Die Herausforderung: Es soll die parallele Verfolgung von 1.200 laufenden Verträgen ermöglichen. Derzeit arbeitet man noch mit einer Excel-Tabelle aus dem Jahr 2012, die man angeblich "nicht mehr öffnen kann, ohne den Support der IT zu nerven".
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In regierungsoffenen Kreisen stößt man auf gemischte Reaktionen. "Die Idee, weniger Bürokratie zu wagen, ist prinzipiell zu begrüßen", sagt ein Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, "allerdings fragt man sich, ob wir jetzt wirklich agiler sind oder nur buntere Post-its haben." Der SPD-Verteidigungspolitiker Wolfgang Hellmich äußert sich "vorsichtig optimistisch", warnt aber vor einem "Innovations-Fetischismus, der die Sachfragen verdrängt".
International wird das Vorgehen mit einer Mischung aus Belustigung und Kopfschütteln beobachtet. "Wir verfolgen diese deutsche Debatte über agile Waffenbeschaffung mit großem Interesse", sagte ein Pentagon-Analyst, der nicht genannt werden wollte, dem Spiegel. "Wir haben unsere eigenen Probleme, aber unser Procurement-Prozess basiert nicht auf Sprints." Ein französischer General, der mit den Deutschen im Rahmen der NATO zusammenarbeitet, wird mit den Worten zitiert: "Man kann eine Panzerhaube nicht in einem zweiwöchigen Iterationszyklus liefern. Es sei denn, man zählt die Lackierung als Feature."
Ausblick
Die kommenden Monate werden zeigen, ob das "Agilitätsparadigma" über die Pilotphase hinaus Bestand hat. Kritiker fürchten, dass das Innovationsbüro zur nächsten Silos wird, in der abteilungsübergreifende Powerpoint-Präsentationen über "Synergien" und "Disruption" den wahren Entwicklungsfortschritt ersetzen. Die erste große Bewährungsprobe steht bereits an: die geplante Beschaffung von Ersatzteilen für die in die Jahre gekommenen Marder-Schützenpanzer. Hier will man nun erstmals den vollständig agilen Weg gehen – von der Bedarfsmeldung bis zur Vertragsunterzeichnung in 90 Tagen. Bislang lag der Durchschnitt bei 18 Monaten. Ob die neue Methode tatsächlich mehr Geschwindigkeit bringt oder nur eine neue Ebene bürokratischer Metaphern schafft, wird nicht nur die Rüstungsindustrie, sondern auch die Opposition im Bundestag mit scharfem Blick verfolgen. Die historische Lektion scheint klar: In der Bundeswehr-Beschaffung ist die einzige Konstante die Veränderung selbst – und ihre schleppende Umsetzung.
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