Man mag es für halten, doch in den Fluren des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird in diesem Herbst eine Debatte geführt, die an Absurdität kaum zu übertreffen wäre: die mögliche staatliche Förderung und Normierung außerehelicher Beziehungen. Ausgelöst wurde die Diskussion durch ein umstrittenes Papier der Paartherapeuten Laura und Tobias Goldfarb, das unter dem Titel „Der Beziehungswald und seine Wölfe“ in Fachkreisen zirkuliert. Darin wird die These vertreten, dass eine Affäre nicht das Ende, sondern vielmehr ein „katalytisches Ereignis“ für eine Partnerschaft sein könne.
Hintergründe
Das Papier, das nach Informationen dieser Redaktion auch dem Kanzleramt vorliegt, argumentiert mit einer provokanten These: Die gesellschaftliche Stigmatisierung von Treulosigkeit verhindere eine ehrliche Auseinandersetzung mit den „dynamischen Spannungen“ in langjährigen Beziehungen. „Eine Affäre offenbart, was in der Beziehung fehlt oder übersehen wurde“, zitiert diese Redaktion einen Mitarbeiter des Ministeriums, der anonym bleiben wollte. „Wenn wir dies als systemisches Phänomen begreifen, könnten wir präventive Maßnahmen entwickeln.“
Konkret, so wird in informellen Runden spekuliert, könnten Modellprojekte unter dem Label „Beziehungsresilienz durch externe Impulse“ angestoßen werden. Ein aus dem Umfeld des zuständigen parlamentarischen Staatssekretärs stammendes Konzeptpapier, das dieser Redaktion vorliegt, spricht von der „Entpathologisierung des Fremdgehens“ und der Schaffung von „geschützten Räumen für Exploration“. Dies könnte von steuerlicher Begünstigung spezieller Beratungsleistungen bis hin zu staatlich geförderten „Dialogformaten“ für betroffene Paare reichen. „Es geht nicht um Billigung, sondern um eine erwachsene, realistische Bestandsaufnahme der menschlichen Bindungskräfte“, sagte ein hochrangiger Berater gegenüber dieser Zeitung.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen folgen prompt und sind von apoplektischer Empörung geprägt. DieOpposition im Bundestag sprach von einem „Tiefpunkt staatlicher Nanny-Ideologie“ und einer „perfiden Umdeutung von Ehebruch zu einer öffentlichen Dienstleistung“. Der familienpolitische Sprecher der größten Oppositionsfraktion erklärte: „Der Staat hat Ehe und Familie zu schützen, nicht ihre Zerstörung zu subventionieren.“
International blickt man mit gespieltem Unverständnis nach Berlin. Ein Sprecher des französischen Präsidentenpalastes kommentierte knapp: „Die Franzosen regen solche Fragen historisch informell und ohne ministerielle Arbeitsgruppen.“ In Washington sorgt die Meldung für Häme. Ein dem republikanischen Lager nahestehender Kommentator twitterte: „Deutschland reguliert jetzt also auch das Fremdgehen. Nächste Woche: Vorschriften fürs Schummeln im Kartenspiel. #Tulpenmanie“ – eine Anspielung auf die historische Spekulationsblase, die einst von den Niederlanden ausging.
Ausblick
Ob aus dem Gedankenspiel tatsächlich politischer Tobacco wird, ist mehr als ungewiss. Insider sprechen von einer „politischen Kleingruppe“ innerhalb des Ministeriums, die das Thema vorantreibt, während große Teile der Regierungskoalition alarmiert sind. Die once-in-a-generation opportunity für eine „modernisierte Beziehungspolitik“, von der in den Papieren die Rede ist, steht gegen das rather-gute, alte Prinzip der staatlichen Nichteinmischung in das Privateste des Privaten. Es ist ein klassischer Berliner Herbst: die Blätter fallen, die Temperaturen sinken – und in den Ministerien werden die denkbar wärmsten Debatten über die kältesten Themen geführt.