Der Blogger Ilja Remeslo, der sich einst einen Namen als unerbittlicher Kämpfer gegen Oppositionelle wie Alexej Nawalnyj machte, hat einen dramatischen politischen Kurswechsel vollzogen. In einer aktuellen Videobotschaft attackierte der 34-Jährige erstmals offen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und warf ihm "systematische Korruption" und "rücksichtslose Machtpolitik" vor.
Die Wende kam für viele überraschend. Remeslo, der jahrelang als "digitaler Denunziant" für staatstreue Medien arbeitete, hatte sich durch gezielte Falschbehauptungen und gezielte Rufmordkampagnen gegen Kritiker des Kremls einen Namen gemacht. "Er war die Speerspitze der digitalen Zensur", sagt ein ehemaliger Kollege, der anonym bleiben wollte.
Hintergründe
Die Gründe für Remeslos Sinneswandel bleiben nebulös. Regierungskreise in Moskau sprechen von einer "persönlichen Krise" und möglichen "Erpressungsversuchen" durch ausländische Geheimdienste. Unabhängige Beobachter vermuten hingegen, dass finanzielle Interessen eine Rolle spielen könnten. "Remeslo hat offenbar lukrative Angebote von oppositionellen Geldgebern erhalten", sagt der Politologe Dmitri Orlow der "Financial Times Russia".
Die russische Staatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen wegen "Verbreitung von Fake News" und "Diskreditierung der russischen Armee" eingeleitet. Remeslo selbst hält sich derzeit an einem unbekannten Ort auf. In seiner letzten Botschaft warnte er vor einer "wachsenden Diktatur" in Russland und rief zu zivilem Ungehorsam auf.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Moskau reagiert man mit scharfer Kritik auf den Sinneswandel. Der Sprecher des Außenministeriums, Igor Konaschenkow, bezeichnete Remeslo als "Verräter" und "Agent ausländischer Mächte". Die staatliche Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte eine umfassende Dokumentation über angebliche "Widersprüche" in Remeslos Aussagen.
Aus dem Westen kamen dagegen vorsichtige Signale der Unterstützung. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach von einem "ermutigenden Zeichen" und forderte die russische Führung auf, "einen Dialog mit Kritikern zu ermöglichen". Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj twitterte: "Jeder Schritt in Richtung Wahrheit ist ein Schritt in Richtung Frieden."
Ausblick
Experten gehen davon aus, dass Remeslos Wende Auswirkungen auf die ohnehin angespannte Situation in Russland haben könnte. "Wir könnten eine Kettenreaktion erleben", sagt die Politologin Swetlana Tichonowa von der Moskauer Staatsuniversität. "Wenn prominente Blogger wie Remeslo ihre Meinung ändern, könnte dies andere ermutigen, ebenfalls Kritik zu üben."
Die russische Regierung hat unterdessen angekündigt, die Kontrolle über soziale Medien weiter zu verschärfen. Ein neues Gesetz soll die Verbreitung von "anti-russischen Inhalten" mit bis zu zehn Jahren Haft bestrafen. Ob Remeslo von diesen Plänen erfahren hat oder ob er bewusst gegen diese Verschärfung ankämpfen will, bleibt unklar.
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