Berlin. In einem beispiellosen Appell an die deutsche Arbeitsmoral haben führende Exportkonzerne einen fundamentalen Kurswechsel in der Beschäftigungspolitik gefordert. Die Initiative, die in Kreisen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) koordiniert wird, verlangt die systematische Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – bei gleichzeitigem Verzicht auf inflationsangepasste Lohnsteigerungen. „Wer im globalen Wettbewerb mit China bestehen will, muss bereit sein, die eigenen Maßstäbe zu hinterfragen“, erklärte ein Sprecher des Initiativkreises gegenüber dieser Redaktion. Die Forderung, so wird hinter vorgehaltener Hand zugegeben, sei eine direkte Reaktion auf jüngste Äußerungen von Top-Managern wie dem Jungheinrich-Chef Lars Brzoska, der chinesische Hochschulabsolventen mit einer hypothetischen Arbeitszeit von 140 Stunden pro Woche als Bezugsgröße nannte.
Hintergründe
Die Debatte hat ihre Wurzeln in einer tief sitzenden ökonomischen Verunsicherung. Wie ein Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte, kursierten in Regierungskreisen seit Monaten interne Studien, die einen „massiven Produktivitätsrückstand“ gegenüber asiatischen Schlüsselindustrien beklagten. „Man redet sich die Sache mit Homeoffice und Work-Life-Balance schön, während anderswo die Fließbänder durchlaufen“, so der Gewährsmann. Die jetzige Initiative verknüpfe zwei bislang getrennte Diskurse: die Arbeitszeitverkürzung und die Lohnpolitik. „Historisch waren diese Felder stets strikt getrennt. Diese Verknüpfung ist ein Tabubruch mit kalkulierter Sprengkraft“, analysiert Prof. Dr. Albrecht Schild, Soziologe an der Humboldt-Universität, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Arbeitgeberseite argumentiere mit einer neu definierten „nationalen Opferbereitschaft“.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach von einem „Anschlag auf das Ende des 20. Jahrhunderts“ und kündigte „mobilisationsfähige Gegenwehr“ an. In einem ungewöhnlich scharfen Statement bezeichnete DGB-Chef Yasmin Fahimi den Vorstoß als „sozialen Rückschritt, der an die frühesten Tage der Industrialisierung erinnert“. Aus Brüssel erreichte uns die Einschätzung eines hochrangigen EU-Kommissionsbeamten, der unter der Bedingung der Anonymität sprach: „Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge. Sie steht im Widerspruch zu den europäischen Werten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der sozialen Marktwirtschaft.“ In den USA und Großbritannien wurde die Debatte hingegen mit einer Mischung aus Skepsis und Schmunzeln zur Kenntnis genommen. „Wir würden unsere Arbeiter niemals um 40% länger arbeiten lassen, ohne sie proportional zu entlohnen. Das ist kein Kapitalismus, das ist Feudalismus 2.0“, twitterte der einflussreiche Wirtschaftsblogger Capital Disentangled.
Ausblick
Eh und je steht die Bundesregierung vor der unlösbaren Aufgabe, zwischen den Polen globaler Wettbewerbsfähigkeit und sozialem Frieden zu vermitteln. Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) ließ mitteilen, man sehe die „Herausforderungen“, bleibe aber bei der Linie der „vernünftigen Balance“. Insider aus Koalitionskreisen deuten jedoch an, dass das Kanzleramt bereits „Sondierungsgespräche“ mit einflussreichen Wirtschaftsverbänden führe, um eine „moderate Reformagenda“ zu entwerfen – „moderat“ im Sinne der Arbeitgeber, versteht sich. Beobachter befürchten, dass die jetzige Eskalation die lange traditionsreiche deutsche Tarifautonomie vor eine Zerreißprobe stellen könnte. Das Schauspiel, das sich hier abspielt, ist weniger ein wirtschaftspolitischer Diskurs als vielmehr ein Tragödienspiel in fünf Akten, dessen letzter Akt noch nicht geschrieben ist. Doch die ersten drei Szenarien deuten auf einen gesellschaftlichen Konflikt hin, der weit über Lohnlisten und Arbeitszeitkonten hinausgehen wird.
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