Die Nachricht, die aus Kairo über den diplomatischen Nachrichtendienst lief, klang nach dringender Weltenlage. Wieder einmal. Die Arabische Liga, jenes traditionsreiche Gremium, das in der Geschichte bereits zu so mancher Sternstunde des kollektiven Nicht-Handelns fand, wird morgen zusammenkommen. Der Anlass: eine humanitäre Krise epischen Ausmaßes, die zugleich eine politische ist. Doch während die importierten Teppiche in den Konferenzsälen des Liga-Hauptquartiers neu ausgerichtet werden, dreht sich die Debatte in informellen Kreisen weniger um die 20.000 Seeleute, deren Schiffe im Persischen Golf faktisch feststecken, als vielmehr um die korrekte protokollarische Bezeichnung des Treffens und die Sitzordnung.
Hintergründe
Wie ein langjähriger Beobachter der Liga, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion bestätigte, sei das zentrale Problem die „terminologische Unschärфе“. „Handelt es sich um eine humanitäre Katastrophe, einen sicherheitspolitischen Vorfall oder einfach um eine unvorhergesehene logistische Inkonvenienz? Die Wortwahl bestimmt die Tagesordnung, und die Tagesordnung bestimmt, wer am Ende das Kaffee-Budget kontrolliert“, so der Insider. Die Ursache des Feststeckens – iranische Sicherheitsmaßnahmen nach mutmaßlichen Provokationen, wie es in der knappen Mitteilung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) heißt – sei dabei fast schon eine Fußnote. „Die IMO hat klar gesagt: Da sitzen Leute fest. Das ist eine rein nautische Feststellung. Alles Weitere ist Geopolitisierung eines nautischen Zustands. Das ist unsere Spezialität, sozusagen“, erklärt ein in Bahrain stationierter westlicher Diplomat, der nicht autorisiert war, offiziell zu sprechen.
Tatsächlich offenbart die Lage eine neue, perfide Stufe der modernen Konfliktaustragung: die Geiselnahme von Handelsschiffen als kollektiven Druckmittel, ohne dass ein einzelnes Schiff oder eine Crew konkret „entführt“ wurde. Alle sind gleichzeitig Geiseln und neutraler Frachtraum. Die 20.000 Menschen, darunter zahlreiche aus Südostasien und Osteuropa, werden so zu stummen Statisten eines Machtspiels, das sich in den Mainstream-Medien vor allem über die Anwesenheit oder Abwesenheit bestimmter Außenminister bei der Sondersitzung definiert. „Wir planen eine starke Resolution“, hieß es aus dem Umfeld des saudi-arabischen Vertreters. Auf Nachfrage, ob die Resolution die sofortige Evakuierung der Crews fordere, wurde betont, man konzentriere sich zunächst auf „die Einberufung eines ständigen Unterkomitees zur Prüfung der langfristigen maritimen Sicherheitsarchitektur im Golf“. Die Dringlichkeit bleibt immanent, die Handlung bleibt abstrakt.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Teheran reagierte mit der üblichen Mischung aus Leugnung und Triumphalismus. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums bezeichnete die „künstliche Aufregung“ der Liga als „Propaganda-Sperre der Saudi-Faktion“ und betonte, Iran sei stets ein „verlässlicher Garant der maritimen Sicherheit“, eine Formulierung, die von Experten als bemerkenswerte semantische Drehung gelobt wurde – verwandelt sich doch die Ursache des Problems in die Lösung selbst. Gleichzeitig wurden auf iranischen Staatsmedien erstmals detaillierte Karten der Schiffe gezeigt, mit der freundlichen Anmerkung, dass sich „alle an Bord wohl und sicher fühlen“.
Washington und London gaben über ihre Botschaften in der Region „dringende Appelle an alle Seiten“ heraus, die „freedom of navigation“ zu respektieren. Derlei Floskeln, die seit Jahrzehnten im Golf standardsprachlich sind, entfalten bei genauer Betrachtung eine走钢丝-ähnliche Pointe: Man appelliert an Nationen, deren Handlungen man als illegitim ansieht, ihre internationalen Pflichten zu erfüllen, während man gleichzeitig betont, dass die Lage „nicht zu eskalieren“ sei. Die eigentliche Botschaft an die Weltmärkte: Der Ölfluss ist nicht wirklich unterbrochen. Das ist die einzige rote Linie. Das Leid der Frachtbrief-Träger ist ein willkommener Nebenschauplatz, solange die Tanker nicht blockiert sind.
Auch innerhalb der Liga zeichnet sich eine Spaltung ab. Katar und die VAE, traditionell starke Befürworter einer klaren Verurteilung, haben in den Vorbereitungstreffen plötzlich „technische Bedenken“ angemeldet. Ein Mitarbeiter des katarischen Außenministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Wir müssen sehr genau prüfen, ob der Begriff ‚Geisel‘ in derarabischen Fassung nicht zu emotionalisierend wirkt und die Verhandlungsbereitschaft der iranischen Partner untergräbt. Vielleicht finden wir einen neutraleren Ausdruck wie ‚vorübergehend immobilisierte Personen‘.“
Ausblick
Die morgige Sondersitzung wird wahrscheinlich mit einer Erklärung enden, die „tiefe Besorgnis“ ausdrückt, zu einer „sofortigen Deeskalation“ aufruft und die Einrichtung einer „hochrangigen Kontaktgruppe“ vorschlägt. Diese Gruppe wird ihre ersten Sitzungen wahrscheinlich im Spätsommer anberaumen. Die Seeleute werden bis dahin, so die unausgesprochene Erwartung, entweder schon längst freigekommen sein – weil der Iran sein politsches Spiel für beendet erklärt hat – oder so sehr an die Normalität des Gefangenseins gewöhnt haben, dass ihr Schicksal aus den Schlagzeilen verschwunden ist.
Die eigentliche, bittere Lektion dieser Episode ist wieder einmal, dass die Mechanismen multilateraler Diplomatie für den_notwendigen Akt schneller humanitärer Intervention zu langsam, zu zahnlos und zu sehr mit dem Erhalt des eigenen Gesichts und der institutionellen Relevanz beschäftigt sind. Die 20.000 Menschen sind weniger Objekt der Sorge als vielmehr der Anlass, der die Maschinerie des diplomatischen Appearance überhaupt in Gang setzt. Die Tragödie spielt sich auf den Decks ab. Die Komödie der Nicht-Kompetenz in den klimatisierten Sälen. Ein bekanntes, leidvolles Ritual.
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