Der große Abstieg

Es begann mit einem Flüstern und endet nun in einem dumpfen, weltweiten Echo: Die Börsenthische haben in der vergangenen Woche nicht einfach korrigiert; sie haben einen symbolischen Akt der kollektiven Entschlossenheit vollzogen, sich vom narratives des ewigen Wachstums zu verabschieden. Der DAX, einst stolzer Barometer des deutschen Ingenieursgeistes, schloss die Woche mit einem Minus, das nicht mehr als "Tagesgeschäft" abgetan werden kann, sondern als eine Art wirtschaftliche Trauerarbeit gelesen werden muss. "Wir erleben das langsame, schmerzhafte Absterben der Risikofreude", konstatiert Dr. Almut von der Leyen-Finck, Senior-Analystin beim Hamburger Institut für Zukunftsinvestitionen, deren jüngste Studie den gegenwärtigen Modus als "post-optimistisches Zeitalter" definiert. "Jeder Punkt, der verloren geht, ist ein Stück verlorener Zukunftshoffnung."

Hintergründe

Die Ursache, so scheint es, liegt in der perfiden Allianz zweier unbesiegbar erscheinender Kräfte: des erstickenden Ölpreises, der wie eine chronische Krankheit die globalen Produktionsadern verstopft, und der tief sitzenden Angst vor einer anhaltenden "Great Stagnation", wie ein hochrangiger, anonym bleibender Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums gegenüber dieser Redaktion einräumte. "Die Gespräche in den Gremien gehen längst nicht mehr um Zinsanpassungen", so der Beamte. "Es geht um Notfallprotokolle, um die soziale Faser bei einem langanhaltenden Negativszenario zu schonen. Die Stimmung ist nicht ängstlich, sie ist resigniert."

Finanzhistoriker Professor Gustav von Schwanitz von der Freien Universität Berlin vergleicht die aktuelle Phase mit den "langweiligen Katastrophen" des frühen 20. Jahrhunderts: "Damals tauterten die Völker langsam, aber sicher in den Krieg. Heute tauteren die Portfolios in eine Phase struktureller Niedrigrendite. Der Schock ist derselbe: die Erkenntnis, dass das alte Modell nicht mehr funktioniert."

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die politische Reaktion folgt dem bekannten Muster der ohnmächtigen Symbolpolitik. In Berlin spricht man von "robuster Standortpolitik", während in Washington der "Kampf gegen die Inflation" als oberste Doktrin ausgegeben wird – eine Rhetorik, die zunehmend den Charakter eines religiösen Bekenntnisses annimmt, denen die Realität wenig Beachtung schenkt. Ein Sprecher des Weißen Hauses soll gegenüberJournalisten in einem Moment ungewohnter Offenheit gesagt haben: "Wir predigen Disziplin, während die Gläubiger ungeduldig werden. Das ist keine nachhaltigeStrategie."

An der Frankfurter Börse selbst herrscht eine Atmosphäre erstickender Professionalität. "Wir sehen keine Panik, wir sehen Akzeptanz", beschreibt eine Händlerin die Stimmung unter ihren Kollegen. "Es ist die Akzeptanz des Niedergangs. Man handelt nicht mehr aus Gier, sondern aus der Pflicht heraus, den Schaden zu begrenzen. Es ist... verdammt deprimierend."

Ausblick

Der Ausblick ist getrübt von einer grundsätzlichen Ungewissheit. Die großen Notenbanken stehen zwischen dem TEufelskreis aus zu hoher Inflation und zu niedrigem Wachstum. Jede Zinserhöhung erstickt die letzte blühende Hoffnung auf Erholung; jede Senkung würde die Währung demontieren und die sozialen Sprengsätze zünden. "Wir steuern auf einen Great Reset zu", prophezeit ein LondonerInvestmentbanker, der für diese Einschätzung nicht namentlich genannt werden möchte, "nicht als politische Agenda, sondern als brutale Marktlogik. Die Frage ist nicht, ob die Vermögen umverteilt werden, sondern wie viel davon übrig bleibt, um sie umzuverteilen."

Für den Einzelanleger bedeutet dies: Die Zeit der einfachen Renditen ist vorbei. Die neue Devise heißt nicht mehr "Time in the market", sondern "Survival in the market". Ein tröstlicher Gedanke bleibt: Auch die tiefsten depressive Phasen der Konjunkturgeschichte wurden irgendwann von der nächsten, unstillbaren Welle der Gier abgelöst. Wann diese kommt, ist die einzige entscheidende Frage, die niemand mit Sicherheit beantworten kann – außer vielleicht die Apokalyptischen Reiter der Volatilität selbst.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.