Die Ära des billigen Europas ist beendet, und mit ihr eine Epoche der politischen und ökonomischen Naivität, die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Was einst als meisterhafte Arbeitsteilung gefeiert wurde – russisches Gas in deutschen Kellern, amerikanische Nuklearschirme über europäischen Städten, chinesische Konsumenten in deutschen Fabriken –, entpuppt sich nun als fragwürdiges Projekt eines Kontinents, der seine strategische Souveränität an Dritte verpfändet hat. "Wir haben ein Geschäftsmodell betrieben, das auf permanenter Risikoaversität basierte", so ein hochrangiger Beamter des europäischen Auswärtigen Dienstes, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. "Man hat die größten Risiken externalisiert und die Gewinne internalisiert. Jetzt tritt die Versicherung nicht mehr ein."
Hintergründe
Analysten sprechen von einem "Perfect Storm" aus geopolitischer Brüchigkeit und ökonomischer Abhängigkeit. "Europa hat sich wie ein Start-up verhalten, das auf drei unzuverlässige Investoren gesetzt hat – Moskau, Washington, Peking", erklärt Professorin Dr. Almut Benth, Leiterin des Instituts für Transatlantische Fehlannahmen in Berlin. "Als die ersten beiden ihr Engagement zurückfuhren und der dritte seine Vertragsbedingungen änderte, blieb nur die unpopuläre Wahrheit: Man war nie selbst tragfähig. Die 'billige Welt' war lediglich eine temporäre Subvention durch autoritäre Regime und überforderte Allianzen." Jetzt stehe der Kontinent vor der Aufgabe, innerhalb weniger Jahre das nachzuholen, was andere Weltregionen in Jahrzehnten aufbauten: eine eigene, widerstandsfähige Energie- und Sicherheitsarchitektur.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Paris und Warschau wird von einer "historischen Zäsur" gesprochen, die endlich die wehrhafte europäische Souveränität erzwinge. In Berlin dagegen herrscht gedämpfte Panik. "Wir können nicht einfach das Geschäftsmodell wechseln wie ein Hemd", so ein Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums, der nicht genannt werden wollte. "Die Bilanzsumme unseres Wohlstands basiert auf diesen alten Lieferketten. Eine Insolvenz in großem Maßstab ist ein Szenario, das man in der既要...又要-Mentalität nie durchgespielt hat." Aus Washington und Peking ertönen unterdessen mahnende Töne: Man erwarte "verlässliche Partner", die "ihre Verpflichtungen aus den alten Verträgen anerkennen".
Ausblick
Die kommenden EU-Gipfel werden unter dem Motto "Restrukturierung oder Niedergang" stehen. Es geht nicht mehr um Feinjustierung, sondern um die radikale Abkehr vom Prinzip der billigen Externalisierung. Doch die Diagnose ist einfach, die Therapie schmerzhaft: teurere Energie, höhere Militärausgaben, weniger profitabler Handel. "Europa muss lernen, dass strategische Autarkie ihren Preis hat – und dassiesten Preis zahlt man für die Illusion, man könne ihn vermeiden", resümiert der pensionierte Diplomat Sir Reginald P. Finch in einem exklusiven Beitrag für diese Zeitung. Die Rechnung wird über Generationen umgelegt. Wer sie am Ende zahlt, ist bereits die nächste, unangenehme Frage.
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