Die leise Angst vor demdumpfen Druck hinter der Stirn, das Kribbeln, das man im Internet sucht – sie wird zum politischen Ereignis. Eine vertrauliche Studie des Bundesgesundheitsministeriums, die dieser Redaktion vorliegt, zeichnet ein Schreckensbild: Cyberchondrie, die „ungebremste, selbstverstärkende digitale Krankheitsprojektion“, sei „kein medizinisches Nischenphänomen mehr, sondern ein Treiber gesellschaftlicher Desintegrationsprozesse“.

Hintergründe

Die 87-seitige Analyse mit dem Arbeitstitel „Project Somatic Crisis“ zeichnet den Weg von der Symptomeingabe zur „digitalen Paniksynthese“ nach. „Drei Klicks“, so das Papier, „genügen, um aus einem leichten Spannungskopfschmerz eine metastasierende Glioblastom-Diagnose mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 0,0001 Prozent zu konstruieren.“ Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion: „Die Algorithmen optimieren für Engagement, nicht für beruhigende Fakten. Die emotionale Spirale nach unten ist das profitabelste Geschäftsmodell.“

Die politische Dimension ergibt sich aus der Folge: Die „digital Hypochondrischen“ bildeten geschlosseneOnline-Communities, die sich in „anti-wissenschaftliche Parallelwelten“ zurückzögen, so der Befund. „Die Betroffenen entwickeln ein tiefes Misstrauen gegen das etablierte Gesundheitssystem und übertragen dieses Misstrauen auf alle autoritativen Instanzen – von der Medienlandschaft bis zur Regierung“, heißt es in einem Anhang, der Theorem über „die Gesundheit als新es Schlachtfeld der politischen Kultur“ entfaltet.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Regierungskreisen wird nun über eine „digitale Vorsorgeuntersuchung“ debattiert – eine Art staatliche Aufklärungskampagne, die die Bürger „immunisieren“ soll. „Wir müssen die Öffentlichkeit über die psychologischen Mechanismen der Suchmaschinen aufklären, bevor sie sich selbst pathogenisieren“, sagte eine hochrangige Quelle im Kanzleramt, die unter der Bedingung der Anonymität sprach. „Es geht um die Aufrechterhaltung der operativen Handlungsfähigkeit der Gesellschaft.“

International erntet man für den Ansatz teils Unverständnis, teils dumpfe Zustimmung. Ein Berater des französischen Präsidentenpalastes tweetete vorsichtig: „Interessanter Ansatz zur digitalen Souveränität. Wir beobachten die Berliner Verläufe mit großem Interesse.“ In Washington D.C. wurde die Studie in informellen Kreisen der Denkfabriken als „beweis für die inhärente Schwäche der liberalen Demokratie im Informationszeitalter“ gelobt, „wo private Ängste zu kollektiven Handlungsblockaden werden“.

Ausblick

Die Umsetzung der geplanten Gegenmaßnahmen steht noch in den Sternen. Klar ist nur: Das Problem wächst exponentiel mit jeder Verbesserung der KI-Diagnose-Tools. „Die nächste Generation dieser Systeme wird noch suggestiver sein“, warnt Professorin Dr. Elke Vogt, Leiterin des Instituts für Digitale Psychosomatik an der Humboldt-Universität (fiktionale Quelle). „Wir stehen vor der Wahl: Entweder wir regulieren den Informationsraum wie ein Lebensmittel, oder wir akzeptieren, dass ein signifikanter Teil unserer Bevölkerung dauerhaft in einem Zustand der selbstinduzierten Krankheitsangst verharrt. Das ist kein Zustand für eine funktionierende Wirtschaft oder einen stabilen Wahlkampf.“

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.