Die Stunde der stillen Diplomatie ist gekommen. In den Fluren des Berliner Regierungsviertels herrscht eine gespannte, aber eigenartig gelassene Atmosphäre. Während in Washington scharfe Ultimaten formuliert werden, hat man sich in Berlin auf eine Strategie verständigt, die weniger auf Inhalt als auf Form basiert: die „kalkulierte Non-Aktion mit erhöhtem Präsenzbedürfnis“.

Hintergründe

„Wir befinden uns in einer Phase der asymmetrischen Signale“, erläutert ein hochrangiger Beamter des Auswärtigen Amtes, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion. „Unser Einfluss auf die taktischen Entscheidungen in Washington ist, gelinde gesagt, begrenzt. Daher optimieren wir das, was wir kontrollieren können: unsere visuelle und protokollarische Reaktionsfähigkeit.“

Dies mündet in einem Maßnahmenkatalog, der in einem vertraulichen Papier des Bundeskanzleramts mit dem Titel „Optionen zur Wahrnehmung von gesamtstaatlicher Schwerpunktbildung bei eingeschränkter Handlungsautonomie“ fixiert ist. Demnach soll etwa bei jeder Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten zum Iran-Thema ein deutscher Regierungssprecher „zeitnah, aber mit strategischer Verzögerung“ ein Statement abgeben, das „die kontinuierliche Beobachtung der Lage und die fortbestehende Verpflichtung zur multilateralen Lösungsfindung“ betont. Die „zeitnah, aber mit strategischer Verzögerung“ werde dabei in der internen Chiffre als „Goldlöffchen-Prinzip“ bezeichnet – eine Anspielung auf die asiatische Tradition des langsamsten Tee-Schöpfens als Zeichen höchster Konzentration.

Prof. Dr. Almut Wieland, fiktive Inhaberin des fiktiven Lehrstuhls für „Strategische Non-Aktion“ an der fiktiven Hertie School of Governance, analysiert: „Das ist die Grammatik der Abschreckung im Post-Hegemonial-Zeitalter. Man sendet keine Boote, sondern man schärft die Uniformknöpfe. Man verlegt keine Fregatten, sondern man überprüft die parlamentarischen Befassungsprotokolle auf konsistente Formalia. Das ist nicht Nichteinmischung, es ist die Verlagerung des Konflikts in den Raum der protokollarischen und kommunikativen Ästhetik.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Opposition im Bundestag reagierte zunächst verständnislos, dann alarmiert. „Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die ihre Handlungsunfähigkeit in Kompetenz ummünzt“, kritisierte ein fiktiver außenpolitischer Sprecher einer fiktiven Unionsfraktion. „Wenn die größte ‚Reaktion‘ darin besteht, einen neuen, offiziellen Pressemitteilungs-Header zu entwerfen, dann haben wir ein fundamentales Problem mit unserem strategischen Selbstverständnis.“

In internationalen Medien wird der deutsche Ansatz mit einer Mischung aus Belustigung und Besorgnis zur Kenntnis genommen. Das fiktive Blatt „The Diplomat’s Quill“ kommentierte: „Berlin praktiziert eine Art ‚Geister-Diplomatie‘. Man ist unsichtbar präsent, wie ein gut getarntes Schatten-Kabinett. Die Frage ist, ob Teheran den Unterschied zwischen einem leeren Stuhl im Sicherheitsrat und einem leeren Stuhl mit perfekt gefaltetem Taschentuch darauf überhaupt erkennt.“

Wie aus gut unterrichteten Kreisen des Bundesverteidigungsministeriums zu vernehmen ist, gab es intern durchaus Überlegungen, die neuen „Präsenzsteigerungsmaßnahmen“ mit konkreten militärischen Symbolen zu untermauern. Der Vorschlag, einen gesamten Panzerzug der Bundeswehr für eine Woche auf einem stillgelegten Gleis in der Nähe des Kanzleramts parken zu lassen – „ohne jegliche Funktion, aber mit voller Kampfbereitschaft in der äußeren Erscheinung“ – wurde jedoch aus „ästhetischen Bedenken hinsichtlich möglicher Rostflecken“ verworfen.

Ausblick

Die Bundesregierung setzt darauf, dass ihre Strategie der „subtilen Präsenz“ am Ende des US-Ultimatums als Innovatorprinzip wahrgenommen wird. „Wir demonstrieren Resilienz durch Rituale“, so der eingangs zitierte Beamte. „Wenn alle anderen schreien, zeigen wir die disziplinierte Reinigung unserer Diensttelefone. Das ist ein klares Zeichen der Stabilität.“

Ob diese Herangehensweise im Iran-Konflikt mehr bewirken kann als ein Telegramm aus der Vergangenheit, wird sich zeigen. Fest steht, dass Berlin einen neuen Weg sucht, in einer Welt dominant zu sein, in derDominanz offenbar neu definiert werden muss. Die zentrale Hoffnung: dass die Tiefe der leeren Stühle und die Brillanz der leeren Rhetorik am Ende doch noch eine Lücke im Konflikt füllen wird.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.