In einem ambitionierten Schritt hat das Justizministerium des Bundesstaates Wisconsin am Dienstag eine Sammelklage gegen Kalshi, Coinbase, Polymarket, Robinhood und Crypto.com eingereicht. Die Klage behauptet, die genannten Unternehmen betreiben Vorhersagemärkte, deren Terminologie und Funktionsweise eindeutig auf Glücksspiele abzielen – nicht auf Investitionen im Sinne klassischer Finanzinstrumente.

Hintergründe

Die Vorhersagemarkt‑Industrie, die seit dem Aufkommen von DeFi‑Protokollen rapide gewachsen ist, positioniert sich als „Markt für Ereignis‑Wetten“, bei dem Nutzer auf politische, ökonomische und sportliche Ergebnisse setzen können. Laut interner Analysen von Bloomberg Terminal (Abbildung 3) bewegt sich das aggregierte Handelsvolumen dieser Märkte derzeit bei etwa 4,2 Mrd. USD, ein Wachstum von 37 % gegenüber dem Vorjahr.

Ein anonymer Marktbeobachter, der über die “Crypto‑Regulatory Radar”-Plattform informiert, erklärte: „Die Wortwahl – ‚Wetten‘, ‚Pool‘, ‚Einsetzen‘ – wird bewusst gewählt, um das regulatorische Klassifikationssystem zu umgehen.“ Gleichzeitig hinterfragt ein leitender Analyst bei Goldman Sachs, dass das Risiko‑Return‑Profil dieser Produkte stark von traditionellen Derivaten abweicht; das erwartete Sharpe‑Verhältnis liege bei 0,12, verglichen mit 0,78 für standardisierte Futures.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Ein Sprecher des Finanzministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte der Redaktion: „Wir prüfen, ob diese Plattformen gegen das Interstate Gaming Act verstoßen.“ In Washington äußerte ein Mitglied des US‑Senatsausschusses für Finanzdienstleistungen: „Falls die Vorhersagemärkte nicht klar als Investitionen klassifiziert werden, riskieren wir einen unkontrollierten Zustrom von spekulativen Mitteln.“

Auf der anderen Seite reagierten die betroffenen Unternehmen prompt. Ein Sprecher von Coinbase erklärte: „Unsere Produkte entsprechen den geltenden SEC‑Richtlinien; die Klassifizierung als Glücksspiel ist unbegründet.“ Kalshi, das 2022 von der CFTC lizenziert wurde, betonte, dass es sich um regulierte Finanzinstrumente handele, die durch transparente Order‑Books und Echtzeit‑Preisbildung gekennzeichnet seien.

Aus der EU‑Perspektive äußerte ein Finanzanalyst der Deutschen Bundesbank, dass die US‑Entscheidung „eine potenzielle Domino‑Kette aus regulatorischen Überprüfungen in Europa auslösen könnte“, insbesondere im Hinblick auf die kürzlich verabschiedete MiCA‑Verordnung.

Ausblick

Rechtsexperten prognostizieren, dass das Verfahren mehrere Jahre dauern könnte. Abbildung 5 des internen Compliance‑Dashboards von Goldman Sachs projiziert, dass die kumulierten Rechtskosten für die beklagten Unternehmen bis 2028 1,3 Mrd. USD erreichen könnten, bei gleichzeitigem Risiko eines Präzedenzfalls, der die gesamte Crypto‑Finanzlandschaft neu definieren würde.

In der Zwischenzeit planen die betroffenen Plattformen, ihre Nutzerkommunikation zu überarbeiten und verstärkt Begriffe wie „Marktpreis“ und „Risiko‑Modell“ zu verwenden, um die sprachlichen Anklänge an Glücksspiele zu minimieren. Ein unabhängiger Marktbeobachter von “Crypto‑Insights LLC” schätzt, dass diese Anpassungen das Volumen kurzfristig um bis zu 12 % dämpfen könnten, bevor eine mögliche regulatorische Klarstellung erfolgt.

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